Auktion: 522 / Klassische Moderne Teil II am 11.12.2021 in München Lot 455

 

455
Ernst Wilhelm Nay
Liegende in Landschaft, 1939.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Liegende in Landschaft. 1939.
Öl auf Leinwand.
Scheibler 253. Rechts unten signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich betitelt sowie mit dem Künstlernamen versehen. 46 x 65,5 cm (18,1 x 25,7 in).
Verso mit einer weiteren, grau übermalten Darstellung. [AM].
• Seit über 50 Jahren in Familienbesitz.
• Eines der wenigen Ölgemälde, die Zeugnis von Nays Schwarzmeerreise 1939 sind.
• Weitere Arbeiten seiner Reisen der Jahre 1937-39 befinden sich u. a. in der Nationalgalerie Berlin (1937), im Sprengel Museum, Hannover (1938), und in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München (1938/39)
.

PROVENIENZ: Galerie Günther Franke, München (verso auf dem Keilrahmen mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1964 vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Baden-Württemberg (durch Erbschaft vom Vorgenannten, seitdem in Familienbesitz).

LITERATUR: Aurel Scheibler, Ernst Wilhelm Nay. Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 1: 1922-1951, Köln 1990, Nr. 253 (o. Abb.).

Aufrufzeit: 11.12.2021 - ca. 18.13 h +/- 20 Min.

Die beiden liegenden Figuren in der unteren Bildhälfte sind fest mit der sie umgebenden Landschaft verwoben. Die unbekleideten, blass rosafarbenen Körper sind ähnlich der kühlen, vornehmlich ockerfarbenen Landschaft in groben, abstrahierten Formen dargestellt. Wie die hügelige Landschaft, so biegen sich die Körper der Liegenden. Das Fehlen von Konturen und starken Farbkontrasten lässt die Menschen zusätzlich mit ihrer Umgebung verschmelzen, so dass eine zusammenhängende, ausgewogene und kaum mehr figürliche Komposition entsteht.

Die Farben dieses Ölgemäldes sind deutlich gedämpfter, milder als in den Lofoten-Bildern, die zwischen 1937 und 1939 entstehen. Nay hat es seinem Freund und dem ehemaligen Museumsdirektor des St.-Annen-Museums in Lübeck, Carl Georg Heise, zu verdanken, dass er im Sommer 1937 nach Norwegen – u. a. zu den Lofoten – reisen kann. Heise, der im Zuge der Gleichschaltung aus seinem Amt als Museumsdirektor entlassen wurde, nimmt Kontakt zu Edvard Munch in Norwegen und dem Frankfurter Kunstsammler Carl Hagemann auf, die Nays Reise finanziell unterstützen. So kann Nay, der mit zwei Bildern bei der Ausstellung „Entartete Kunst“ vertreten ist, seinem tristen, finanziell und psychisch anstrengenden Alltag entfliehen. Die ersten Lofoten-Bilder entstehen nach seiner Rückkehr im Berliner Atelier. 1938 reist Nay erneut nach Norwegen. 1939 reist er ein weiteres Mal ins Ausland, dieses Mal nach Bulgarien ans Schwarze Meer. Die Bilder, die Umfeld des Kriegsausbruches 1939 entstehen, sind weniger bunt und farbkräftig als die Lofoten-Bilder – sie wirken melancholischer, sanfter.

Die „Liegende in Landschaft“ weist ebenfalls eine gedämpfte Farbpalette auf und wenige der kantigen Felsformationen, wie sie oftmals in den Lofoten-Bildern, und typisch für die raue, norwegische Küste, zu sehen sind. Anders als die aktuelle Werverzeichniszuordnung suggeriert, gehört unsere „Liegende in Landschaft“ nicht zu der Werkserie der Lofoten-Bilder, sondern zu den wenigen Balkanbildern Nays. Aufgrund des Kriegsausbruches muss Nay Bulgarien überstürzt verlassen, so dass der künstlerische Ertrag dieser Reise quantitativ – jedoch keineswegs qualitativ – gering bleibt. [IC]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Ernst Wilhelm Nay "Liegende in Landschaft"
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