Auktion: 528 / Klassische Moderne am 11.06.2022 in München Lot 440

 

440
Gabriele Münter
Blumen in blauer Vase, Um 1935.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Blumen in blauer Vase. Um 1935.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand mit dem Nachlassstempel, weiterem unleserlichen Stempel sowie handschriftlicher Nummerierung "B.69". Verso auf dem Keilrahmen mit typografisch nummeriertem Etikett "1366" sowie handschriftlich nummeriertem "301". 55 x 46 cm (21,6 x 18,1 in).

• Aus langjährigem Familienbesitz erstmals wieder auf dem Auktionsmarkt angeboten
• Wundervolle Arbeit aus der Werkgruppe der Blumenstillleben im Spätwerk Münters
• Besonders in den 1930er Jahren findet sie in Murnau zum kraftvollen Ausdruck ihrer Anfänge mit dem "Blauen Reiter" zurück
• Außergewöhnlich farbstarke Arbeit, in der Münter eines ihrer Lieblingssmotive, den blauen Berg, zusätzlich mit einbindet
.

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, vom 22. April 2022. Die Arbeit wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Nachlass der Künstlerin.
Privatsammlung Süddeutschland (1976 erworben, seither in Familienbesitz).

LITERATUR: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 214, 2.-4.6.1976, Los 1145 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 11.06.2022 - ca. 17.54 h +/- 20 Min.

Für Gabriele Münter beginnt nach dem Ersten Weltkrieg zunächst eine Phase der Neuorientierung. Nach langen Reisen, Aufenthalten in Paris und der Erprobung neuer Stilarten wie dem Neusachlichen und Expressiven kehrt sie nach Deutschland zurück. Sie lässt sich 1931 wieder in Murnau nieder, wo sie mit ihrem Lebensgefährten, dem Kunsthistoriker und Philosophen Johannes Eichner in dem Haus lebt, das sie bereits 1909 mit Kandinsky bezogen hatte. In ihrem Schaffen findet ebenso eine Rückkehr oder vielmehr eine Wiederentdeckung ihrer dortigen malerischen Anfänge dieser so prägenden Zeit statt, die ihr zu der Entwicklung des ihr charakteristischen Ausdrucks verholfen hatte. Erneut setzt sie sich mit der kraftvollen und farbintensiven Natur der Landschaft und der farbenfrohen Volkskunst auseinander, vor allem mit den dort in zahlreichen Kirchen zu sehenden Hinterglasbildern, die sich durch einfache Formen, umrissbetonte Malweise und leuchtende Farben auszeichnen. Ihr Interesse gilt vor allem der blühenden und lebendigen Natur, woraus sich in dieser Zeit eine eigene Werkgruppe der Blumenstillleben herauskristallisiert. Anders als in ihrer Frühzeit konzentriert sich Münter hier ganz auf die Wirkung der Blumen, keine hinzugefügten Dinge wie früher noch Volkskunst, Heiligenfiguren oder Hinterglasbilder lenken von der Kraft der Farben der Blüten ab. Münter findet hier wieder zu ihrer freien und großzügigen Malweise sowie ihrer leuchtenden und lebendigen Palette zurück, in deren Fokus das leuchtende Blau und das tiefe purpurne Rot stehen, die sich in ihrem Kontrast gegenseitig intensivieren. In der Konzentration auf die vollen Blütenköpfe der Zinnien, eine von ihr häufig gewählte Blume die in den Bauerngärten der Umgebung häufig zu finden ist, gibt sie deren essenzielle runde Form und die Intensität ihrer Farben wieder. Kreisformen und geschwungene Linien der Stiele verleihen dem Stillleben eine leichte Dynamik und schwungvolle Energie, die Münter wohl auch vor diesen kleinen Kunstwerken der Natur empfunden haben dürfte. Sie bereichert das Stillleben noch durch die hinter der intensiv blauen Vase aufgereihten Früchte, die die Fülle des Lebens und der Natur unterstreichen. Eine besondere Reminiszenz an ihre Frühzeit stellt der Blick im Hintergrund auf den blauen Berg dar, mit dem sie eine besondere Liebe verbindet und den sie in ihren ersten Murnauer Jahren etliche Male auf die Leinwand bringt. Die späte Werkgruppe der Blumenstillleben verhilft ihr darüber hinaus zu offizieller Anerkennung, ist doch das 1941 entstandene Stillleben „Blumen in der Nacht“ (Hamburger Kunsthalle) das erste ihrer Gemälde, das von einem Museum angekauft wird. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gabriele Münter "Blumen in blauer Vase"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.