Auktion: 525 / Evening Sale am 10.12.2021 in München Lot 260

 

260
Jörg Immendorff
Bitte nicht freundlich, 1978.
Acryl auf Leinwand
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
+
Bitte nicht freundlich. 1978.
Acryl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. 150 x 150 cm (59 x 59 in).

• Monumentalwerk, das die geballte Essenz von Immendorffs Kunst enthält
• Zeitgleich zu unserem Werk „Bitte nicht freundlich“, 1978, entsteht seine berühmte, 19 großformatige Arbeiten umfassende politische Reihe "Café Deutschland"
• Immendorff nimmt 1972 an der documenta 5 und 1976 an der Biennale in Venedig teil.
• Vergleichbare Arbeiten aus dieser Schaffenszeit befinden sich in der Pinakothek der Moderne, München (Sammlung Stoffel), in der Sammlung Essl, Kloster Neuburg b. Wien, dem Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris und dem Centre Pompidou, Paris
.

PROVENIENZ: Galerie Greiner, Tübingen.
Privatsammlung Baden-Württemberg.

AUSSTELLUNG: Für Jochen Hiltmann. Eine Solidaritätsausstellung, Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven, 1979, Abb. o. S.
Jörg Immendorff - Zwölf Bilder, Galerie Michael Werner, Köln, 13.6.-31.7.1986, Kat.-Nr. 11.
Lagerkatalog 1988, Galerie Neuendorf, Frankfurt a. Main, 29.6.-3.9.1988. Kat.-Nr. 26.
Immendorff, Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam, 24.5.-23.8.1992; Gemeentemuseum Den Haag, 24.5.-19.7.1992, Abb. S. 206.

LITERATUR: Schoppmann & Partner KG, Düsseldorf, 30.11.1991, Los 226/a.

Aufrufzeit: 10.12.2021 - ca. 19.30 h +/- 20 Min.

Jörg Immendorf ist immer auch ein außerordentlich politischer Künstler. Sein Impetus ist es, die Kunst als soziales Anliegen zu vermitteln. Die "Lidl Arbeiten" wie auch die "Brecht-Serie (Fragen eines lesenden Arbeiters)" sind politische Kommentare, mitunter auch gespickt mit amüsant-kritischen Gesten. Der Sarkasmus mag bisweilen gefühlte Bitterkeit und Enttäuschung über die verkrusteten und reaktionären Strukturen in der Bundesrepublik widerspiegeln. Die späten 1970er Jahre sind für viele der jüngeren Generation geprägt von Wut und revolutionärem Veränderungswillen der althergebrachten Staatsgesellschaft gegenüber: 1977 ist das Jahr, in dem der Ministerpräsident Baden-Württembergs Filbinger wegen seiner NS-Vergangenheit abdanken muss; es ist die Zeit der Debatten über die Endlagerung von Atommüll, es ist die Zeit der Gründung der Partei "Die Grünen". Und es entsteht auch der Film "Deutschland im Herbst", der sich mit der bundesdeutschen Gesellschaft zur Zeit des Terrorismus der RAF auseinandersetzt, unmittelbar nachdem die in Stammheim Einsitzenden Selbstmord begehen. In dieser von gesellschaftlichen Kontroversen geprägten Phase findet Jörg Immendorff nach der Begegnung mit Renato Guttusos "Caffè Greco" im Jahr 1977 in Köln zu einem Überdenken seiner bisherigen Gestaltungsweisen. Der plakative Agit-Prop wie in den Lidl-Objekten wird zugunsten von figurenreichen und malerisch anspruchsvolleren Gemälden aufgegeben. Er nimmt Bezug auf kunsthistorische Vorbilder und lehnt sich bisweilen an Vorbild-Kompositionen an. Die thematisch-inhaltliche Ausrichtung bleibt, in der Form erfindet Immendorff sich neu.
"Bitte nicht freundlich" ist eine Umkehrung der Fotografen-Aufforderung "Bitte recht freundlich". Immendorff schleudert diese Aufforderung zur Missmutigkeit dem Betrachter hin, denn wie soll man im Angesicht des Bundesadlers mit Pistole und Schlagstock sowie einer Warnplakette vor Radioaktivität um den Hals auch freundlich bleiben. Von links drängt eine stark gerüstete Polizeitruppe nach, ihnen gegenüber steht eine etwas buntere Gruppe von Demonstranten. Rechts vorne kniet einem lobpreisenden Stifter gleich, wie in altdeutschen Gemälden, der Künstler selbst und feuert eine Dreiergruppe an, den übermächtigen Bundesadler mit einem Lasso einzufangen. Es ist ein Spektakel über die gereizte Stimmungslage in bundesdeutschen Landen, die uns der Malerkritiker Immendorff hier in seinem virtuosen Malstil meisterlich kommentiert. [EH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Jörg Immendorff "Bitte nicht freundlich"
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