Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 95

 

95
Gerhard Richter
L 1, 20.1.84, 1984.
Aquarell, Graphit und Gouache auf Papier
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
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L 1, 20.1.84. 1984.
Aquarell, Graphit und Gouache auf Papier.
Die vorliegende Arbeit ist im Online-Katalog der Aquarelle verzeichnet. Rechts unten signiert und datiert. Verso abermals signiert und datiert. Auf glattem Velin. 11,7 x 29,4 cm (4,6 x 11,5 in), blattgroß.

• Aquarelle sind eine kleine, für den Künstler wichtige Werkgruppe im Gesamtœuvre.
• Das Online-Werkverzeichnis listet nur acht Aquarelle dieses besonderen Formates auf, davon befindet sich eines im Museum of Modern Art, New York.
• Gerhard Richters Arbeiten auf Papier sind unmittelbare Zeugnisse privater Spontanität.
• 1985 auf der Ausstellung "Gerhard Richter. Aquarelle" in der Staatsgalerie Stuttgart gezeigt, der ersten musealen Ausstellung seiner Aquarelle.
• Fünf Aquarelle Gerhard Richters aus demselben Jahr befinden sich im Museum of Modern Art, New York
.

Wir danken Herrn Dr. Dietmar Elger für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Gerhard Richter. Aquarelle, Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart, 19.1.-17.2.1985 (Abb. S. 94).


"Erst dieses, nein letztes Jahr habe ich mich an Aquarelle herangetraut. Davor habe ich das nur ganz selten gemacht."

Gerhard Richter, zit. nach: D. Elger u. H. U. Obrist, Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007, Köln 2008, S. 154.

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 20.08 h +/- 20 Min.

1985 berichtet Gerhard Richter in einem Interview mit Dorothea Dietrich: "[..] ich habe seit Jahren ausschließlich mit Ölfarbe gearbeitet. Das ist so ein dankbares Mittel. Man kann alles damit machen, übermalen, wegwischen, abkratzen, dünn oder flüssig auftragen. [..] [Frage:] Sie haben auch Ihre Zeichnungen selten gezeigt. Woran liegt das? [Antwort] Ja, da ist etwas dran. Und ich habe auch nur ganz wenige Zeichnungen gewagt. Erst dieses, nein letztes Jahr habe ich mich an Aquarelle herangetraut. Davor habe ich das nur ganz selten gemacht" (zit. nach: D. Elger u. H. U. Obrist, Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007, Köln 2008, S. 154). Im Online-Werkverzeichnis Gerhard Richters ist unser Blatt als eines der ersten im Jahr 1984 entstandenen Werke aufgeführt: Am 20.1. entstehen vier Aquarelle dieses außergewöhnlichen Querformates, die Folge wird am 22.1. mit vier weiteren Blättern gleichen Formates fortgesetzt. Alle anderen Aquarelle in den nachfolgenden Jahren sind nicht so stark horizontal ausgerichtet.
Gerhard Richter erkundet auf der Basis seiner Erkenntnisse aus seinem abstrakten Schaffen die Eigenheiten des Farbmaterials Aquarell und macht sich dessen Eigenschaften gestalterisch zunutze. Teils ziehen sich die Pigmente zum Rand des Farbauftrags, teils sammeln sie sich in leicht glänzenden Inseln. Es entsteht eine Farblandschaft, die mit einigen Bleistift-Einzeichnungen rhythmisiert oder durch leicht fetthaltigen Farbauftrag unterbrochen wird. Licht, Glühen, Sonne sind mögliche Assoziationen der transparent aufgetragenen Farben, noch teils vor unbemaltem Papier. Auch diese Eigenheit zeigt sich nur in den frühen abstrakten Aquarellblättern dieses Jahres.
Der Künstler schätzt den nur in dieser Technik möglichen herausfordernden Arbeitsvorgang – das Schütten, Tropfen, Auftragen von Farbe –, weil das Ergebnis nicht genau planbar ist. So wird "Lässigkeit" (G. Richter, in: Dieter Schwarz, Gerhard Richter: Zeichnungen 1964-1999, Düsseldorf 1999, S. 7) erzeugt. Mit anderen Worten ist es also im Gegensatz zur oben von Richter als "dankbar" (weil korrigierbar) bezeichneten Ölmalerei das in seiner Zufälligkeit schwierigere Medium des Aquarells, das ihn hier in den Bann zieht.
Bei Gerhard Richters Aquarellen treffen das Prinzip des Zufalls und das serielle Arbeiten aufeinander. Die kleinformatigen, leuchtenden Werke erarbeitet er in zeitlich komprimierten und intensiven Arbeitsphasen. Unser Blatt ist neben drei weiteren dieses ungewöhnlichen quergelagerten Formates an nur einem Tag, dem 20.1.1984, entstanden. In der Sammlung des Museum of Modern Art, New York, befinden sich die einen Tag später entstandenen vier Blätter G.A.1-4 (21.1.1984) und ein weiteres Blatt aus diesem Jahr. 1985 werden erstmals Werke dieses Genres in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt, auch das vorliegende Blatt wird hier präsentiert. [EH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gerhard Richter "L 1, 20.1.84"
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Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
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weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
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Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.