Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 14

 

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Karl Schmidt-Rottluff
Landstraße im Frühling, 1905.
Buntstiftzeichnung
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
+
Landstraße im Frühling. 1905.
Buntstiftzeichnung.
Rechts unten signiert "Karl Schmidt" und datiert. Auf Papier, alt auf Karton aufgezogen. 29 x 46,5 cm (11,4 x 18,3 in).
[SM].

• Namhafte Provenienz neben Hermann Gerlinger: Das Sammlerehepaar Peters ist Erstbesitzer und gehört zu den frühesten Förderern Schmidt-Rottluffs.
• Neben "Landstraße im Frühling" ist keine weitere vergleichbare Arbeit aus dieser Zeit und in dieser Manier auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten worden (Quelle: artprice.com).
• Bedeutende Ausstellungshistorie.
• Das Spiel mit der Wirkung der leuchtenden Farben charakterisiert dieses erstrangige Blatt voller Stimmung und Emotionalität
.

Das Aquarell ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Viktor und Hedda Peters, Leipzig.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel, seit 1985: Hauswedell & Nolte, 6.6.1985).

AUSSTELLUNG: Karl Schmidt-Rottluff, Retrospektive, Kunsthalle Bremen, 16.6.-10.9.1989; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 27.9.-3.12.1989, Kat.-Nr. 13 (m. Abb.).
Van Gogh und die Moderne, Museum Folkwang, Essen, 11.8.- 4.11.1990; Van Gogh Museum, Amsterdam, 16.11.1990-18.2.1991, Kat.-Nr. 119 (m. Abb.).
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Die Brücke in Dresden. 1905-1911, Dresdner Schloss, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister, 20.10.2001-6.1.2002, Kat.-Nr. 118 (m. Farbabb.).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Die Brücke und die Moderne. 1904-1914, Bucerius Kunstforum, Hamburg, 17.10.2004-31.5.2005, Kat.-Nr. 116 (m. Abb.)
Im Rhythmus der Natur: Landschaftsmalerei der "Brücke". Meisterwerke der Sammlung Hermann Gerlinger, Städtische Galerie, Ravensburg, 28.10.2006-28.1.2007, S. 57 (m. Abb.).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina, Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr.1 (m. Abb.).
Brückenschlag: Gerlinger - Buchheim, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 28.10.2017-25.2.2018, S. 38 (m. Farbabb.).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck, Buchheim Museum, Bernried am Starnberger See, 29.9.2018 - 3.2.2019, S. 115.
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Hauswedell & Nolte, Hamburg, 6.6.1985, 259. Auktion, Los 1421.
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 204, SHG-Nr. 23 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 29, SHG-Nr. 27 (m. Abb.).
Magdalena Moeller (Hrsg.), Karl Schmidt-Rottluff, Formen und Farbe, München 2007, S. 29, Abb. 5.
Brückenschlag: Gerlinger - Buchheim! Museumsführer durch die "Brücke"-Sammlungen von Hermann Gerlinger und Lothar-Günther Buchheim, Feldafing 2017, S. 38 (m. Abb., S. 39).

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 17.26 h +/- 20 Min.

Am 17. April 1905 meldet sich Karl Schmidt an zum Eintritt in die Königlich Sächsische Technische Hochschule in Dresden und immatrikuliert sich zum Sommersemester. Er nimmt zunächst eine Wohnung in der Rosenstraße 64. Zwei Semester lang belegt er pflichtbewusst die Veranstaltungen. Das hohe Maß an Expressivität und der bewegte Formalismus des künstlerischen Umfelds in Dresden sprechen ihn ganz direkt an. Zudem findet Schmidt-Rottluff in Vincent van Gogh ein Vorbild, das für ihn eine neue Freiheit in der Kunst verkörpert, eine Loslösung von Jugendstil und Impressionismus. Auch auf die kraftvoll gesetzte Palette, die im Schaffen van Goghs eine zentrale Rolle spielt, reagiert er intensiv. Schmidt-Rottluffs Bildern sollte künftig eine gewisse Gabe für eine malerische Monumentalität eigen sein, ein gleiches Ringen um eine ausdrucksvolle Sprache. Die Malerei van Goghs, die ihm Anfang 1905 nur in Abbildungen zugänglich ist, besitzt etwas, was für den jungen, von keiner Tradition eingeengten Schmidt-Rottluff eine fundamentale Selbstverständlichkeit in der Kunst öffnet: Ausdruck und Form. Künstlerische Anregungen begegnen ihn zuvor als Schüler in der Chemnitzer "Kunsthütte", wo um die Jahrhundertwende Werke der deutschen Vertreter des Naturalismus, Impressionismus und der Freilichtmalerei zu sehen sind. In Dresden treffen Schmidt-Rottluffs unkonventionelle künstlerische Ansätze auf fruchtbare Auseinandersetzung. Im Gegensatz zur Situation in Chemnitz sieht sich der junge Student in Dresden mit einer breiteren Kunst- und Kulturszene konfrontiert und nicht zuletzt finden die vier "Brücke"-Begründer an der Hochschule zusammen, um sich im Frühsommer 1905 offiziell zur Künstlergruppe zusammenzuschließen. Die Landschaftsdarstellung wird für Schmidt-Rottluff zum Experimentierfeld: Eine ausdrucksstarke Farbpalette, wie hier aufgetragen mit Farbkreiden, kontrastiert mit dem heimatlich-traditionellen Sujet wohl einer Erzgebirgs-Landschaft. Das Spiel mit der Wirkung der Farbe durch das Platzieren von Lichtreflexen, das Suggerieren von Jahreszeiten, nicht nur im Titel, mit den kahlen Bäumen durch den Einsatz reiner, leuchtender Farben charakterisiert dieses erstrangige Blatt voller Stimmung und Emotionalität. Die Zeichnung ist mit einer Mischung aus zarten und kräftigen Strichen komponiert, die sich in feiner Herausstellung zum Charakter der Landschaft mit Feldern verdichten. Wegweisend ist für den jungen Künstler zu Beginn seiner großartigen Karriere als Maler die Erkenntnis, Empfindungen und Emotionen unmittelbar und kraftvoll über die Malweise auszudrücken, wie er es bei van Gogh gesehen hatte und diese junge Erfahrung in seinen Landschaften 1905 und 1906 sichtbar machen konnte. [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Schmidt-Rottluff "Landstraße im Frühling"
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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.