Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 28

 

28
Karl Schmidt-Rottluff
Frau mit aufgelöstem Haar, 1913.
Holzschnitt
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
+
Frau mit aufgelöstem Haar. 1913.
Holzschnitt.
Schapire H 123. Signiert. Auf Japanbütten. 35,7 x 30 cm (14 x 11,8 in). Papier: 55,3 x 46,1 cm (21,7 x 18,1 in).
Gedruckt von Manus Offizin Fritz Voigt, Berlin (links unterhalb der Darstellung bezeichnet) [KT].

• Der Holzschnitt wird für die "Brücke"-Künstler zum wichtigsten grafischen Ausdrucksmittel für ihre dramatisch-expressive Bildsprache.
• Ein Exemplar dieses Holzschnitts befindet sich in der Sammlung des Städel in Frankfurt, Brücke Museum Berlin und im Museum Ludwig in Köln.
• Die Betonung körperlicher Details wie Augen, Nasen und Mundpartien, Brüste und Gesäße afrikanischer Plastiken und Masken beeinflussen Schmidt-Rottluffs traditionsreiches Schönheitsideal
.

PROVENIENZ: Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel).

AUSSTELLUNG: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina, Wien, 1.6.-28.8.2007, Kat.-Nr. 33 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Graphik, München 1971, Nr. 72 (m. Abb.)
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 364, SHG-Nr. 607 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 68, SHG-Nr. 121 (m. Abb.).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck, Buchheim Museum, Bernried am Starnberger See, 29.9.2018-3.2.2019, S. 198 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 17.54 h +/- 20 Min.

Kühne Perspektiven bei der Darstellung von Frauen entwickelt Schmidt-Rottluff schon in der Hamburger Zeit stetig weiter. In "Frau mit aufgelöstem Haar" widmet sich der Künstler einem klassischen Sujet der Kunstgeschichte, das für die Künstler der "Brücke" zu einem geradezu selbstverständlichen Motiv wird: Frauen bei der Körperpflege, die teilnehmend-voyeuristische Beobachtung intimer Prozeduren. Schmidt-Rottluffs Holzschnitte nehmen an stilbildender Derbheit zu, indem er die Körperformen der Frau füllend und direkt in das Format des Holzstocks schneidet. Ohne Rücksicht auf Perspektive und Proportionen verzichtet er auf eine schönende Wiedergabe der menschlichen Anatomie. Die besinnliche Erscheinung des Moments – das verträumte Spiel mit den Haarspitzen – muss sich dem Willen zur Gestaltung des Künstlers nun besonders radikal fügen. Das Medium Holzschnitt scheint Schmidt-Rottluffs Suche nach dem Grundlegenden, Urtümlichen und Wahren entgegenzukommen. Wirkungsvoll akzentuiert er die weit ausladenden Hüften, massigen Oberschenkel, die kugelförmig nachgezeichneten Brüste, das dichte, herabfallende Haar, und setzt gleichsam als Gegenpol die eleganten, langen, schmalen Finger. Von jeher zeichnet Schmidt-Rottluff das Ideal weiblicher Körper nach und erreicht in dieser radikalen Vorstellung die Aufmerksamkeit des Betrachters. Schmidt-Rottluff ist fasziniert von afrikanischer Plastik und von Masken, die sich durch die Betonung körperlicher Details wie Augen, Nase und Mundpartie, Brüsten und Gesäß hervortun und damit auch ein traditionsreiches Schönheitsideal wiedergeben. In diesen Jahren beginnt der Künstler seine eigene Sammlung von Kultgegenständen und Artefakten zusammenzutragen, nicht nur aus Afrika, sondern auch aus Gebieten der Südsee. [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Schmidt-Rottluff "Frau mit aufgelöstem Haar"
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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.