Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 5

 

5
Erich Heckel
Gelbes Haus, 1908.
Aquarell
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 118.750

(inklusive Aufgeld)
Gelbes Haus. 1908.
Aquarell.
Rechts unten signiert und datiert. Verso erneut signiert und betitelt sowie von fremder Hand bezeichnet. Auf festem Aquarellpapier. 37,2 x 27,2 cm (14,6 x 10,7 in), blattgroß.

• Eines der furiosesten Aquarelle Heckels aus Dangast.
• Hier findet der junge Künstler einige seiner schönsten Motive.
• Von großer Leichtigkeit und Transparenz.
• Farbige Landschaftsaquarelle Heckels aus den Anfängen der "Brücke"-Zeit sind sehr selten auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: artprice.com)
.

Das Werk ist im Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen am Bodensee, verzeichnet. Wir danken Frau Renate Ebner und Herrn Hans Geissler für die freundliche Unterstützung.

Wir danken Dr. Marcus Andrew Hurttig, Museum der bildenden Künste Leipzig, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ:
Möglicherweise Leipzig, Museum der bildenden Künste (1921-1937. Der vom Künstler gesetzte Titel auf der Rückseite ist identisch mit dem Inventarbucheintrag im MdbK Leipzig; im Nachlass Erich Heckel ist kein weiteres Blatt dieses Titels verzeichnet).
Möglicherweise Staatsbesitz (1937 vom Vorgenannten beschlagnahmt, EK-Nummer 1060).
Möglicherweise Galerie Ferdinand Möller, Berlin (1940 durch Tausch vom Vorgenannten erworben).
Galerie Neher, Essen.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel, 1985 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG:
Blickpunkte V: Blumen. Landschaften. Menschen, Galerie Neher, Essen, November 1985, Kat.-Nr. 17.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Im Rhythmus der Natur: Landschaftsmalerei der "Brücke". Meisterwerke der Sammlung Hermann Gerlinger, Städtische Galerie, Ravensburg, 28.10.2006-28.1.2007 (m. Farbabb., S. 69).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 67 (m. Farbabb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR:
Möglicherweise: www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank (EK-Nr.: 1060).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 169, SHG-Nr. 186 (m. Farbabb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 159, SHG-Nr. 357 (m. Farbabb.).

„Dieses Blatt darf als eines der furiosesten Aquarelle Heckels aus Dangast gelten. Aus der Verve der Malerei, die ganz aus der ungestüm aufgetragenen Farbe lebt, spricht unmittelbar das Erlebnis des Sommers und der Landschaft."

Heinz Spielmann, zitiert nach: Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 159.

Das Aquarell nimmt im Schaffen von Erich Heckel eine besondere Stellung ein. Bis ins hohe Alter widmet er sich der für ihn wichtigen Maltechnik, die er schon früh aufnimmt und über die unterschiedlichen Phasen seines Schaffens hinweg stets weiterentwickelt. Insbesondere für den jungen Künstler bietet die Aquarellfarbe die perfekten Voraussetzungen, um die von den "Brücke"-Künstlern angestrebte Unmittelbarkeit des Ausdrucks zu erreichen. Leuchtende, ungemischte Farben, die in schwungvollen Pinselstrichen aufgetragen werden und in starken Kontrasten die Bildkomposition bestimmen, gelten als besondere Kennzeichen dieser frühen Aquarelle. Bis heute sind sie eindrucksvolle Zeugnisse einer unbeschwerten und ungestümen Phase im Schaffen des Künstlers.

Das hier vorliegende Aquarell "Gelbes Haus" ist auf das Jahr 1908 datiert und entsteht in Dangast an der Nordsee, wo einige der "Brücke"-Künstler wiederholt den Sommer verbringen. Zusammen mit Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein erkundet Erich Heckel dort bei seinen Aufenthalten die abwechslungsreichen Landschaften, teils zu Fuß, aber auch auf dem Fahrrad oder in kleinen Booten. Die Auswahl der Motive soll dabei jedoch nicht immer konfliktfrei verlaufen sein, wie sich Max Pechstein später erinnert: "Auf der Fahrt nach Oldenburg warnte mich Heckel schon: Er fürchte, von Schmidt-Rottluff erdrückt zu werden. […] So blieben wir, und Wochen hindurch sahen wir vieles in der Landschaft, was Schmidt-Rottluff bereits gestaltet hatte, für uns also tabu war." (Max Pechstein, zit. nach: Claus Peukert (Hrsg.), Brücke. Expressionisten in Dangast, Dangast 2002, S. 356). Trotz der kleinen Konkurrenz um die besten Motive waren die Aufenthalte in Dangast eine inspirierende Zeit für Erich Heckel. Insbesondere das Jahr 1908 beschreibt Gerhard Wietek als "fruchtbarste Schaffensperiode", in der "etwa hundert anscheinend mühelos hervorgebrachten Arbeiten“ entstehen (Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907-1912, Mainz 1995, S. 41). In seinem Aquarell mit dem kleinen gelben Haus, das zwischen den hellgrünen Bäumen und dem bewegten Himmel nahezu mit der Natur zu verschmelzen scheint, lässt sich diese Leichtigkeit des jungen Heckel ebenso ablesen wie sein schon früh entwickeltes Gespür für den expressiven und freien Umgang mit der Aquarellfarbe. [AR]



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Erich Heckel
Gelbes Haus, 1908.
Aquarell
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 118.750

(inklusive Aufgeld)