Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 31

 

31
Karl Schmidt-Rottluff
Zwei Akte mit Negerplastik, 1913.
Aquarell und Tusche
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
+
Zwei Akte mit Negerplastik. 1913.
Aquarell und Tusche.
Rechts unten signiert und datiert. Auf festem chamoisfarbenem Velin. 50 x 60 cm (19,6 x 23,6 in), blattgroß.
[KT].

• Schmidt-Rottluff begegnet der Kunst außereuropäischer Kulturen bereits in den Dresdener Jahren und beginnt spätesten 1913 mit einer eigenen Sammlung.
• Objekte afrikanischer oder ozeanischer Herkunft werden nun auch selbst zu Bildgegenständen, wie diese Leoparden-Karyatide aus Kamerun.
• Diese frühen Werke die von der Fazination des Exotischen zeugen, werden nur äußerst selten auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
• Ausgestellt in der wichtigen Retrospektive im Lenbachhaus
.

Das Aquarell ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Prof. Max Sauerlandt, Hamburg (1914-1934).
Alice Sauerlandt, geb. Schmidt, Hamburg (1934 durch Erbschaft vom Vorgenannten, bis mindestens 1953, wohl bis mindestens 1965).
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel).

AUSSTELLUNG: Karl Schmidt-Rottluff. Graphik und Aquarelle. Ausstellung zum 80. Geburtstag am 1. Dezember 1964, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, 1.12.1964-14.2.1965, Kat.-Nr. 31 (aus Hamburger Privatbesitz).
Schmidt-Rottluff. Aquarelle aus den Jahren 1909 bis 1969, 55. B.A.T. Ausstellung, B.A.T. Cigaretten Fabriken GmBH, Hamburg, 13.6.-10.8.1974, Kat.-Nr. 53 (m. Abb., u. Farbabb. S. 159).
Karl Schmidt-Rottluff zum 90. Geburtstag - Gemälde und Aquarelle, Altonaer Museum, Hamburg 1974, Kat.-Nr. 53.
Das Aquarell der Brücke, Brücke-Museum Berlin, 5.9.-16.11.1975, Kat.-Nr. 129 (o. Abb.).
Karl Schmidt-Rottluff, Retrospektive, Kunsthalle Bremen, 16.6.-10.9.1989; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 27.9.-3.12.1989, Kat.-Nr. 135 (m. Abb.).
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Die Brücke und die Moderne. 1904-1914, Bucerius Kunstforum, Hamburg, 17.10.2004-31.5.2005, Kat.-Nr. 170.
Expressiv! Die Künstler der Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina, Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 30 (m. Farbabb.).
Brückenschlag: Gerlinger - Buchheim, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 28.10.2017-25.2.2018, S. 160 (m. Farbabb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Stuttgarter Kunstkabinett, Roman Norbert Ketterer, 17. Auktion, 16. und 18. Mai 1953, Los 1859 (Angebot von Frau Prof. Sauerlandt, unverkauft).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 366, SHG-Nr. 608 (m. Abb.).
Gunther Thiem, Stephan von Wiese, Die Verwandlung der Venus. Karl Schmidt-Rottluffs Akt-zeichnungen von 1909-1913, München 2003, Nr. 74.
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 66, SHG-Nr. 119 (m. Abb.)
Magdalena Moeller (Hrsg.), Starke Schnitte. Karl Schmidt-Rottluff, Berlin 2014, Vgl. Kat.-Nr. 33, o. S.
Brückenschlag: Gerlinger - Buchheim! Museumsführer durch die "Brücke"-Sammlungen von Hermann Gerlinger und Lothar-Günther Buchheim, Feldafing 2017, S. 160 (m. Abb., S. 161).

„Köpfe habe ich oft im Verhältnis zu den anderen Körperformen ins Ungeheure gesteigert als einen Sammelpunkt aller Psyche, allen Ausdrucks.“

Karl Schmidt-Rottluff um 1912 an Gustav Schiefler

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 18.00 h +/- 20 Min.

Mit Gustav Schiefler ist Schmidt-Rottluff in ständigem Austausch. Und so äußert sich der Künstler auf Befragen des Hamburger Richters, Kunstsammlers, Mäzens und Kunstkritikers über seine monumentalen Akte und deren Entstehung. "Ich bin verschiedentlich zu einer Steigerung der Formen gekommen", so Schmidt-Rottluff, "die zwar den naturwissenschaftlich gefundenen Proportionen widerspricht, die aber in ihren geistigen Beziehungen ausgeglichen und proportional ist. Köpfe habe ich oft im Verhältnis zu den anderen Körperformen ins Ungeheure gesteigert als einen Sammelpunkt aller Psyche, allen Ausdrucks. Aber alle anderen Körperformen tendieren in ihren geistigen Bewegungen nach dem Kopf, sammeln sich darin, und so wächst die Form ganz von selbst ins Große. Es ist nicht anders mit den Brüsten. Sie sind ein erotisches Moment. Aber ich möchte es loslösen von der Flüchtigkeit des Erlebnisses, gewissermaßen eine Beziehung herstellen zwischen dem kosmischen und dem irdischen Augenblick. Vielleicht kann man sagen, es ist eine ins Transzendentale gesteigerte Erotik. Das klingt in unserer mit Zynismen durchsetzen Zeit etwas mystisch, aber was uns so im Laufe der Zeit an Kunst der Vergangenheit übriggeblieben ist – Ägypten, Michelangelo – was diesen ihre Unvergänglichkeit verleiht: es ist das Erleben transzendentaler Dinge im Irdischen." (Zit. nach: Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff, Graphik, München 1971, S. 100)

Diese Erklärung geht einher mit der intensiven Beschäftigung des Künstlers mit Kunst außereuropäischer Kulturen, der Schmidt-Rottluff bereits in den Dresdener Jahren begegnet ist. Sein leidenschaftliches Interesse an der ursprünglichen wie naturnahen Plastik äußert sich nicht allein in den entsprechend modifizierten Physiognomien oder den Körpern seiner Figuren. Objekte afrikanischer oder ozeanischer Herkunft werden nun auch selbst zu Bildgegenständen, wie diese Leoparden-Karyatide aus Kamerun, die auffällig neben den beiden dunkelhäutigen Frauen in außergewöhnlicher Haltung in Szene gesetzt ist. Ein Leopardenhocker ist damals im Besitz Ernst Ludwig Kirchners. Dieser geheimnisvolle Hocker der Bamileke-Künstler, der Kirchner gut 30 Jahre begleitet und seine Motivwelt besonders in den Jahren zwischen 1910 und 1912 belebt, wirkt möglicherweise auch anregend für Schmidt-Rottluff, ihn hier kenntnisreich und zugleich zurückhaltend dominant zu präsentieren. [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Schmidt-Rottluff "Zwei Akte mit Negerplastik"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.