Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 429

 

429
Ernst Ludwig Kirchner
Plakat Muim-Institut, 1911.
Farbholzschnitt
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Plakat Muim-Institut. 1911.
Farbholzschnitt.
Gercken A-64 a (von b). Dube H 716. Im Stock monogrammiert. Eines von 11 bekannten Exemplaren. Auf bräunlichem Papier. 72 x 48,5 cm (28,3 x 19 in), Blattgröße.
[SM].
• Sehr selten.
• Ein weiteres Exemplar befindet sich u. a. in der Sammlung des Stedelijk Museum, Amsterdam.
• Wichtiges Zeitdokument, dass das vielschichtige Wirken der Künstlergruppe bezeugt
.

PROVENIENZ: Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (seit 1985: Christie, Manson & Woods London, mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 148, S. 232 (m. Abb.).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Hans Bolliger, E. W. Kornfeld, Ausstellung Künstlergruppe Brücke. Jahresmappen 1906-12, Bern 1958, S. 33, Nr. 55.
Christie, Manson & Woods, Important old master and modern prints. The properties of the Baltimore Museum of Art, the late Villiers David, Esq. (..), London, 6.12.1985, Los 559 (m. Farbabb.).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 118, SHG-Nr. 79.
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 322, SHG-Nr. 726.

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 17.08 h +/- 20 Min.

Im Oktober 1911 löst Kirchner sein Atelier in Dresden auf und siedelt nach Berlin über. Im Stadtteil Wilmersdorf, in der Durlacher Straße 14, findet Kirchner zwei Wohnungen. Im dritten Stock richtet er sein Atelier ein, im zweiten Stock erhält das gemeinsam mit Max Pechstein gegründete MUIM-Institut seine Unterkunft. Das Institut, eine Art private Kunstschule, wird noch im Dezember eröffnet. In dem gleichzeitig mit dem Plakat gedruckten Prospekt (S. 52) erläutert Kirchner: "MUIM-Institut/Leiter M. Pechstein und E. L. Kirchner/Moderner Unterricht in Malerei, Graphik, Plastik, Teppich-, Glas-, Metall-Arbeit/Malerei in Verbindung mit Architektur/Unterricht mit neuen Mitteln auf neue Art. Skizzieren nach dem Leben verbunden mit Komposition. Unterricht im Institut oder Atelier des Einzelnen. Institut tagsüber zur Verfügung. Im Sommer Freilichtakt an der See. Fördernde Korrektur aus der Eigenart des Einzelnen heraus." Trotz des Prospekts, des Plakats und einer von Kirchner ebenfalls in Holz geschnittenen Anzeige, die von Dezember 1911 bis September 1912 regelmäßig in der von Walden herausgegebenen Zeitschrift "Der Sturm" erscheint, bleibt der Erfolg aus. Wohl gegen Ende 1912 wird das Institut mangels Erfolges aufgegeben, nicht zuletzt dürfte die Trennung der Künstlergruppe von Pechstein dazu beigetragen haben. Von den wenigen Schülern des Instituts sind heute nur noch der in Karlsruhe geborene Werner Gothein und der Hannoveraner Hans Gewecke bekannt. Zu beiden unterhält Kirchner persönlichen Kontakt (Abb.); in seinen Werken von 1912 und 1913 tauchen sie mehrfach auf. Das Motiv des vorliegenden Plakats zeigt deutlich den Einfluss der buddhistischen Wandbilder der Höhlentempel von Ajanta in Indien aus dem 6. Jahrhundert, etwa die prall gerundeten Körperformen und die ausgeprägte, lange, weich geschwungene Nasen- und Augenpartie. Kirchner entdeckt diese Malereien noch im Frühjahr 1911 in Fachbüchern der Zentralen Kunstbibliothek der Dresdner Museen, wo er systematisch die Werke außereuropäischer Kunst studiert, Details in großem Zeichnungsformat kopierend adaptiert. Noch im Tagebuch der Schweizer Jahre ist er von ihrer Eleganz und Fremdheit des Ausdrucks gefesselt. "Diese Werke machten mich fast hilflos vor Entzücken. Diese unerhörte Einmaligkeit der Darstellung bei monumentaler Ruhe der Form glaubte ich nie erreichen zu können, alle meine Versuche kamen mir hohl und unruhig vor. Ich zeichnete vieles an den Bildern ab, um nur einen eigenen Stil zu gewinnen.." (E. L. Kirchner, zit. nach: Eberhard Kornfeld, Die Arbeit E. L. Kirchners, 1979, S. 333). Mit dem Gemälde "Fünf Badende am See" setzt Kirchner wohl erstmals seine Studien um und kreiert hier eine neue Auffassung der weiblichen Figur. (Abb.) Der Akt des MUIM-Plakats mit den runden Formen eines fülligen Halbaktes zeigt eine unmittelbare stilistische Nähe zu dem Gemälde. Mit einem ersten Stock druckt Kirchner mit Ocker kammartige Bögen auf das Papier, die das eigentliche Motiv, die harten, schwarz gehaltenen Konturen wie ein weicher Schatten umspielen und dem Plakat trotz der großen Textlastigkeit eine exotische Leichtigkeit verleihen. Nicht zuletzt ist es eine Blüte, die das imaginäre Modell, genüsslich daran riechend, zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten scheint, wie auch die kleine Vignette seitlich als Haarbrosche mit einem sich bewegenden Akt, die diesen lockenden Eindruck des Plakats unterstützen. [MvL]



 

Aufgeld und Steuern zu Ernst Ludwig Kirchner "Plakat Muim-Institut"
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