Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 60

 

60
Otto Dix
Dame in der Loge, 1922.
Aquarell und Tuschfeder
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
+
Dame in der Loge. 1922.
Aquarell und Tuschfeder.
Pfäffle A 1922/16. Rechts unten signiert und datiert sowie bezeichnet "No. 108". Verso von fremder Hand betitelt und bezeichnet. Auf festem Velin von Progress (mit den Prägestempeln). 49,4 x 39,8 cm (19,4 x 15,6 in), blattgroß. [CH].


• Aus der bedeutenden Sammlung Gurlitt.
• Zeitzeugnis der wechselvollen deutschen Geschichte mit all ihrer Dramaturgie: als einstiger Verlust aus jüdischem Eigentum findet die dramatische Historie nun in einer Restitution ihre Vollendung.
• Mondän im Zwielicht: Schillernde soziale Typologie zwischen Bürgertum ("Dame in der Loge") und Halbwelt ("Dompteuse").
• Großformatiges Aquarell aus den gefragten 1920er Jahren
.

PROVENIENZ: Das Werk ist frei von Restitutionsansprüchen.

AUSSTELLUNG: Sonderausstellung Otto Dix. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik, Kunstsalon Wolfsberg, Zürich 1929, Kat.-Nr. 50.
Bestandsaufnahme Gurlitt. "Entartete Kunst" - beschlagnahmt und verkauft, Kunstmuseum Bern, 2.11.2017-4.3.2018, Bundeskunsthalle Bonn, 3.11.2017-11.3.2018, Kat.-Nr. 66 mit Farbabb S. 194.

LITERATUR: Willi Wolfradt, Otto Dix, in: Junge Kunst, Bd. 41, Leipzig 1924, S. 33 (m. Abb.), zusätzlich in: Der Cicerone, Jg. XVI., 1924, S. 943ff.
Max Perl, Bücher des 15.-20. Jahrhunderts (…), Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Graphik, Kunstgewerbe, Plastik, Versteigerung am 26.-28.2.1935, Katalog 18, Los 2090 (als "Brustbild einer Frau").
Brigid S. Barton, Otto Dix und die neue Sachlichkeit 1918-1925 (Diss.), Michigan 1981, S. 141, V B 50.
Suse Pfäffle, Otto. Dix. Werkverzeichnis der Aquarelle und Gouachen, Stuttgart 1991, S. 151 (m. Abb.).
Annegret Janda, Jörn Grabowski, Kunst in Deutschland 1905-1937. Die verlorene Sammlung der Nationalgalerie, Berlin 1992, S. 96, Kat.-Nr. 66.
www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank (nicht im NS Inventar, EK-Nr.: 17791-E, als "Brustbild einer Frau").
Ira Mazzoni, Veröffentlichte Werke aus der Sammlung Gurlitt - Neue Probleme nach der Weltwirtschaftskrise, in: Süddeutsche Zeitung, 13.11.2013.
Tim Ackermann, Kunstmuseum Bern - Das Ende des Falls Gurlitt naht, in: Weltkunst, 10.12.2021.
Mark Siemons, Gurlitt-Sammlung in Bern - Ein neuer Maßstab für Restitutionen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2021.
Isabel Pfaff, Raubkunst in der Schweiz - Goldstandard, in: Süddeutsche Zeitung, 15.12.2021.
Hannah McGivern, Swiss museum to part with 29 works from Gurlitt trove suspected of being Nazi loot, in: The Art Newspaper, 17.12.2021.
Ellionor Landmann, Kunstmuseum Bern gibt Dix-Aquarelle aus Gurlitt-Kunstfund zurück, in: SRF, 10.12.2021 (Rundfunkbeitrag).
Joachim Görgen (ARD-Studio Genf), Beutekunst-Debatte in der Schweiz. Zurückgeben oder weiter ausstellen?, in: Tageschau, 29.12.2021.

Archivalien:
Sammlung Dr. Ismar Littmann, Inventar der Grafik, Nr. 3503.
Deutsches Kunstarchiv, Nürnberg, NL Otto Dix, I-B 12, Ausstellungsdokumentation.
Galerie Nierendorf, Berlin, Einkaufsbuch, Nr. 872-338.
SMB-ZA, I/NG 826, Bl. 257-258r/v, Dr. Gotthardt/Greiser, Preußische Geheime Staatspolizei, Geheimes Staatspolizeiamt, an Dr. Eberhardt Hanfstaegl, Berlin, 19.2.1936.
SMB-ZA, I/NG 826, M 12, Bl. 261-270, Bl. 262, Dr. Eberhard Hanfstaengl an Preußische Geheime Staatspolizei, Berlin, 24.3.1936.
SMB-ZA, IV/NL Rave 095, Paul Ortwin Rave an Reichs- und Preußisches Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung [Bernhard Rust], Berlin, 8.7.1937.
SMB-ZA, IV/NL Rave 095, Paul Ortwin Rave an Adolf Ziegler, Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, Berlin, 9.7.1937.
U.S. National Archives, Washington, D.C., RG 260, Central Collecting Point, Wiesbaden, Property Card „WIE 1977/18“, 5.12.1945.
U.S. National Archives, Washington, D.C., RG 260, M1947, Claim [Germany] - Gurlitt, Hildebrand, 1946-1950, Ausgangsliste, S. 15 & Überführungsliste Neue Residenz, S. 24.

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 18.58 h +/- 20 Min.

Aus sicherem Abstand Theaterlogen durch kleine Operngläser zu beobachten ist ein weitverbreitetes Gesellschaftsspiel seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Eduard Manet betrachtet so 1874 ein Paar, das auf sehr unterschiedliche Weise auf den Beginn der Aufführung wartet: Die auffällig in schwarz-weißer Robe gekleidete Dame, mit reichlich Schmuck dekoriert, scheint die Bühne zu fixieren, während der mit Frack angetane Mann an ihrer Seite sich den Logen über ihm mit dem Opernglas voyeuristisch nähert. Auch für Mary Cassatt, Henri de Toulouse-Lautrec oder Honoré Daumier beispielsweise wird die Entdeckung des Opernglases zu einem ikonografisch werdenden Hingucker und zieht in vielen Szenen, wenn auch nicht zentral, die Blicke des Betrachters auf sich.

Auch Otto Dix scheint diese kaum auffallenden Operngläser für seine Zwecke einzusetzen und entdeckt unsere "Dame", diese aparte Erscheinung in einer mit rotem Samtstoff üppig ausgestatteten Loge während einer Aufführung. Mit feiner Zeichnung beschreibt er die Körperlinien um Nase und schulterfreies Dekolleté, betont mit wenig Einsatz von zarter Aquarellfarbe die vollen Lippen, zeichnet die Konturen von Augen und Augenbrauen, fügt hinzu den feinen Schmuck, Ohrringe und Halskette, feine Tuschfeder betont hie und da die Ränder der körperlichen Physiognomie. Ihr feinlockiges, rotes Haar ist hochgesteckt, die Frisur mit einem augenfälligen Steckkamm am Hinterkopf betont. Konzentriert den Blick auf das Geschehen gerichtet, scheint die Eleganz in Abendrobe die Fixierung des Künstlers nicht zu bemerken. Für ihn jedoch erscheint die Schönheit voller Sinnlichkeit, und mit dieser sind die erotischen Züge einer Dirne gleichsam hervorgehoben. Die „Dame in der Loge“ weiß um ihre lüsterne, dämonenhafte Kraft, und dies stellt der Künstler auf seine feine Art der Zeichnung heraus. Ist es überhaupt eine Loge in einem Theater oder Opernhaus, oder sieht der Künstler die Dame in einem mit Plüsch und Samt üppig ausgestatteten Etablissement? Der Künstler lässt den Betrachter mit den reichlichen Anspielungen dennoch im Ungewissen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges drängt es Otto Dix wieder nach Dresden, in die Stadt und zu seinen Künstlerfreunden. An einem kalten Februartag im Jahr 1919 fährt er auf dem Trittbrett eines überfüllten Eisenbahnwagons stehend in die sächsische Hauptstadt. Er bezieht seine alte Studentenwohnung und beginnt, sich wieder seines früheren Studenten- und Künstlerlebens zu erinnern. Allerdings haben die Kriegserfahrungen ein neues Thema in sein Werk eingeführt, den Schrecken des Krieges. Wieder in Dresden nimmt er auch die Thematisierung des schönen Eros wieder auf, der menschlichen Urtriebe. Sie sind es, die der Künstler nicht nur formal genießt.

Eine Zunahme der Thematisierung des Eros ist zu dieser Zeit jedoch nicht nur bei Dix, sondern allgemein in der Kunst seiner Zeit wie etwa George Grosz zu beobachten.Trotz der überbordenden Dramatisierung des Geschehen, schafft es Dix, emotional aufgeladen von seinen Erfahrungen, mit erstaunlicher Sachlichkeit, wie als Zeitzeuge distanziert von Außen, auf seine schillernden Motive zu blicken. Das Arrangement wirkt jetzt in gewisser Weise anonym, oft ironisch und dennoch naiv direkt. „Die bösen Erfahrungen der Frontetappe als Verhaltensnorm Nachkriegsdeutschlands bis in tiefe Provinzwinkel herein wiederzufinden, fordert, zusammen mit der Kriegserfahrung selbst, zu zynischem Sarkasmus heraus. Der Enthemmung in der Erotik und der Perversion der Heroik im Bürgerkrieg wie der Entartung der Wirtschaft zur Schieberei der Kriegs- und Inflationsgewinnler antwortet Dix mit erbarmungslos plebejischer Desillusionierung von Eros, Heros und Macht“, so der Kunsthistoriker Diether Schmidt. (ebenda S. 50) Das Werk von Otto Dix der zwanziger Jahre zeigt ein breites Spektrum von Verismus, Surrealismus bis hin zur Neuen Sachlichkeit.

Eine wechselvolle Geschichte

Als 2013, mit großem internationalen Presseaufgebot, der im Vorjahr entdeckte „Schwabinger Kunstfund“ der Öffentlichkeit bekannt wird, rücken auch die beiden Dix-Aquarelle „Dame in der Loge" und „Dompteuse“ (ebenfalls angeboten bei Ketterer Kunst im Evening Sale am 10.06.2022, Los 59) aus dem Jahr 1922 in den Fokus der Aufmerksamkeit. Rasch gibt es Hinweise darauf, dass die Blätter, die Cornelius Gurlitt aus dem Bestand seines Vaters, des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, übernommen hatte, ursprünglich aus der Sammlung des berühmten jüdischen Anwalts und Notars Dr. Ismar Littmann aus Breslau stammen. Diese Herkunft ist zugleich eine Adelung der Werke: Littmann gehört zu den aktivsten und bedeutendsten Sammlern der Kunst des deutschen Expressionismus.

Als Kaufmannssohn am 2. Juli 1878 im oberschlesischen Groß Strehlitz geboren, lässt er sich 1906 in Breslau nieder, wo er wenig später Käthe Fränkel zur Frau nimmt. Als Rechtsanwalt wird Ismar Littmann beim Landgericht zugelassen. Er führt schon bald seine eigene Kanzlei, später gemeinsam mit seinem Kompagnon Max Loewe, und wird 1921 zum Notar erhoben. Der wohlhabende Jurist Dr. Ismar Littmann ist ein großzügiger Mäzen und Förderer der modernen, progressiven Kunst. Sein großes Engagement gilt insbesondere zeitgenössischen Künstlern aus dem Umfeld der Akademie der Bildenden Künste in Breslau, wie etwa dem „Brücke“-Maler und Akademieprofessor Otto Mueller. Sprichwörtlich ist heute die „Breslauer Künstlerbohème“, die Ismar Littmann als Sammler und Mäzen prägt, fördert und begleitet.

Ab den späten 1910er Jahren beginnt Dr. Ismar Littmann seine bald berühmt gewordene Kunstsammlung aufzubauen. Die Sammlung Littmann umfasst Werke namhafter deutscher Künstler des Impressionismus und Expressionismus, darunter neben Otto Dix beispielsweise auch Otto Mueller, Käthe Kollwitz, Emil Nolde, Max Pechstein, Alexander Kanoldt und Lovis Corinth. Zu einigen der Genannten hat Littmann eine enge persönliche Verbindung. Erst die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 setzt einer weiteren Fortführung der Sammelleidenschaft ein Ende. Fast 6.000 bedeutende Kunstwerke, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik ebenso wie Gemälde, hat Littmann bis dahin zusammengetragen. Um wirtschaftliche Engpässe zu kompensieren, lässt Dr. Ismar Littmann Teile seiner Sammlung am 21. März 1932 auf der Auktion bei Paul Graupe in Berlin anbieten. Darunter befindet sich auch das Werk „Dompteuse“, das jedoch – die Zeiten für Verkäufe sind damals schwer – in das Eigentum des Sammlers zurückgeht.

Gleichwohl: Existenziell sind Littmanns wirtschaftliche Sorgen 1932 noch nicht. Erst die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten bringt den jähen Wandel. Früh und mit ganzer Härte setzt die Verfolgung des jüdischen Rechtsanwaltes ein. Seine Berufsgruppe zählt zu den ersten, die die Nationalsozialisten wirtschaftlich und gesellschaftlich vernichten wollen. Bereits ab dem Frühjahr 1933 ist es weder Dr. Ismar Littmann selbst noch seinem Sohn Hans (Edward) Littmann mehr möglich, ihren Berufen nachzugehen. Die jüngste Tochter Ruth kann noch nicht einmal das Abitur beenden, da sie verhaftet wird (Demonstrationen gegen das Regime). Noch minderjährig sitzt sie ein Jahr im Gefängnis, bevor sie nach Israel auswandern kann. Seiner Lebensgrundlage und Lebensfreude beraubt, steht Ismar Littmann vor den Trümmern einer einst glanzvollen Existenz. Tiefe Verzweiflung treibt ihn am 23. September 1934 in den Selbstmord. Ismar Littmann lässt seine Witwe Käthe sowie vier gemeinsame Kinder zurück. Mit Glück können die Überlebenden später aus der nationalsozialistischen Diktatur fliehen.

Bevor die Verzweiflung den Breslauer Anwalt in den Freitod treibt, ist Dr. Ismar Littmann gezwungen, ein großes Konvolut von knapp 3.600 Werken seiner Grafik zu veräußern oder als Kreditsicherheit einzusetzen. Sein Freund, der Breslauer Zahnarzt Dr. Paul Schaefer, unterstützt Littmann dabei und übernimmt die Arbeiten. Ob Schaefer die Bilder tatsächlich erwirbt oder sie nur Sicherungsübereignungen für ein Darlehen von Schaefer an Littmann darstellen, ist nicht bekannt. Schaefer selbst jedenfalls ist kein Sammler, die Übernahme der Grafik ist ein reiner Freundschaftsdienst für den in Not geratenen Littmann.
In dem von Paul Schaefer übernommenen Konvolut sind auch die beiden hier angebotenen Aquarelle von Otto Dix, „Dame in der Loge" und „Dompteuse“, enthalten. Als Einlieferung von Paul Schaefer, der als Jude ebenfalls von den Nationalsozialisten verfolgt wird und später gezwungen ist, mit seiner Frau nach Südamerika zu fliehen, werden die Aquarelle im Februar 1935 auf der berühmten Versteigerung der Sammlung Littmann bei Max Perl angeboten. Es ist davon auszugehen, dass Schaefer Besitzer, aber nicht Eigentümer der Blätter ist, denn nicht verkaufte Arbeiten aus seiner Einlieferung bei Perl gehen nach der Auktion nicht an Schaefer, sondern an Käthe Littmann zurück. Unsere beiden Kunstwerke jedoch haben ein anderes Schicksal – es kommt gar nicht soweit, dass sie in der Auktion aufgerufen werden.

Die Auktion bei Perl soll in die Geschichte eingehen. Denn schon 1935 flammt die Diskussion um die sogenannte „entartete Kunst“ auf. 64 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen werden noch vor der Auktion von der Gestapo als Beispiele „kulturbolschewistischer Tendenz“ beschlagnahmt und im Jahr darauf der Berliner Nationalgalerie zugesandt. Deren damaliger Direktor Eberhard Hanfstaengl nimmt einige Werke als „Zeitdokumente“ in Aufbewahrung und lässt den Rest auf Anordnung der Gestapo am 23. März 1936 in der Heizung des Kronprinzenpalais verbrennen (vgl. Annegret Janda, Das Schicksal einer Sammlung, 1986, S. 69). Die Quellen belegen, dass auch „Dame in der Loge“ 1935 durch die Gestapo in den Geschäftsräumen des Auktionshauses beschlagnahmt wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit trifft „Dompteuse“ das gleiche Schicksal. Als Teil der „Mappe Perl“ werden die Aquarelle am 7. Juli 1937 im Zuge der Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ erneut, und diesmal aus der Nationalgalerie, beschlagnahmt. Ein zweites Mal entgehen die beiden Dix-Werke nun mit viel Glück der Vernichtung durch die nationalsozialistischen Machthaber – und gelangen zu Hildebrand Gurlitt.

Wann genau dieser die beiden Aquarelle erwirbt, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Gurlitt jedenfalls ist etwa ab Ende 1938 einer der vier Kunsthändler (zusammen mit Böhmer, Buchholz und Möller), die Zugang zu den nationalsozialistischen Depots in Schönhausen haben. Im Zeitraum zwischen 1939 und 1941 finden mehrere Kommissions- und Tauschgeschäfte statt, in denen er unter anderem wohl die beiden Aquarelle übernimmt. Er verkauft sie jedoch nicht weiter, sondern behält sie als Teil des später zum „Schwabinger Kunstfund“ gewordenen Restbestands seines Kunsthandels. Die Blätter gelangen so in den Nachlass Gurlitt und werden 2012 bei seinem Sohn und Erben Cornelius Gurlitt in München entdeckt.

Die Stiftung des Kunstmuseums Bern wird 2014 zur Alleinerbin dieses international Aufsehen erregenden Konvolutes. Die Recherchen der „Taskforce“ zu „Dame in der Loge“ und „Dompteuse“ werden hier aktiv fortgesetzt. „Wir sind dem Kunstmuseum Bern außerordentlich dankbar, dass sie sich zu diesem Schritt entschieden haben. Es ist außergewöhnlich, dass ein Museum keine Kosten und Mühen scheut, um die Geschichte der Werke aufzuarbeiten“, so die Erben nach Dr. Ismar Littmann und die Enkelin von Dr. Paul Schaefer über die Eigeninitiative des Museums.

Die Jahrzehnte und die Kriegswirren haben jedoch Lücken in die Aktenüberlieferung gerissen, die sich auch mit größter Sorgfalt nicht mehr schließen lassen. Das Museum entscheidet sich 2021, trotz einer nicht mehr bis ins letzte Detail rekonstruierbaren Verlustgeschichte, die beiden Kunstwerke von Otto Dix gemeinschaftlich an die Erben nach Dr. Ismar Littmann und die Enkelin von Dr. Paul Schaefer zu restituieren - und setzt damit neue Maßstäbe für einen proaktiven und verantwortungsvollen Umgang mit NS-Raubkunst. [SvdL/AT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Otto Dix "Dame in der Loge"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.