Auktion: 529 / Kunst nach 1945 / Contemporary Art am 10.06.2022 in München Lot 185

 

185
Jean Tinguely
Fifi (Medor), 1983.
Bewegliche . Eisen, Motor, Hundeschädel
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Fifi (Medor). 1983.
Bewegliche . Eisen, Motor, Hundeschädel.
Bischofberger 614. Auf dem Sockel betitelt "Medor". Ca. 45 x 65 x 24 cm (17,7 x 25,5 x 9,4 in).

• Tinguely ist neben Yves Klein und Daniel Spoerri ein zentrales Mitglied der "Nouveau Réalistes".
• Erworben in der berühmten Galerie Schmela, befindet sich "Fifi" seit fast 40 Jahren in Familienbesitz.
• Im selben Jahr entsteht zudem der berühmte Strawinski-Brunnen am Centre Georges Pompidou in Paris
.

Mit einer Fotoexpertise des Künstlers vom Juli 1985.

PROVENIENZ: Galerie Schmela, Düsseldorf.
Privatsammlung Süddeutschland (1985 beim Vorgenannten erworben, seither in Familienbesitz).

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 14.46 h +/- 20 Min.

Wirkt "Fifi" auf den ersten Blick durchaus befremdlich, so ist diese Skulptur doch ein vielschichtiges Werk und charakteristisch für das Schaffen Jean Tinguelys. Dieser ist nicht nur bis heute als einer der wichtigsten schweizerischen Künstler anzusehen, sondern auch ein wichtiger Vertreter der kinetischen Plastik des 20. Jahrhunderts. Skulpturen zwischen Erfindung und Konstruktion, Spiel und Fantasie beschäftigen ihn zeitlebens und vereinen sich in "Fifi" meisterhaft.
Der konstruktive und zugleich dekorative Aspekt in seiner Arbeit begleitet ihn schon früh in seiner Ausbildung zum Dekorateur bei der schweizerischen Kaufhauskette Globus. Trotz seiner frühzeitigen und fristlosen Entlassung sorgen seine Dekorationen aus Draht weiter für Aufsehen und deuten seine typische künstlerische Handschrift schon an. Ab 1952 in Paris entwickelt sich seine Kunst rasant und schon 1955 erhält er die Möglichkeit für seine erste Einzelausstellung. Viele weitere sollten folgen, darunter auch 1959 die Ausstellung in der Galerie Schmela in Düsseldorf, wo unser Werk 1985 erworben wurde und sich seitdem in Familienbesitz befand.
Die Objektkunst ist ein besonders spannendes Feld der Kunst. Sie entwickelt sich ab den 1950er Jahren aus der Assemblage, doch ihre Ursprünge sind in den Collagen des Kubismus sowie des Dadaismus oder auch in den berühmten Readymades von Marcel Duchamp zu finden. Die Bearbeitung und Verfremdung vorgefundener Gegenstände stellt einen zentralen Aspekt dieser Kunst dar. Tinguely erweitert dieses Feld mit beweglichen Plastiken, die eine Vielzahl an Verständnisebenen eröffnen. Sind sie verspielt, erheiternd und witzig, können sie auch anrührend, ironisch, melancholisch oder kritisch sein. Ein äußerst facettenreiches Exemplar ist unser Werk "Fifi". Ab 1981 verwendet der schweizerische Künstler in einer durchaus morbiden Manier neben tierischen Materialien wie Hundeschädeln auch unfallbehafteten Motorradschrott, in dessen Zusammenhang Menschen zu Schaden kamen. Ein klarer Verweis auf Vergänglichkeit und Tod, doch erweckt man die Skulptur "Fifi" mithilfe von Strom zu ihrem funktionsfähigen, den Kopf kreisenden, Leben, dann lässt sich ein Schmunzeln kaum unterdrücken. Nicht nur bei seinen berühmten Zeichenmaschinen, den ab 1959 entstehenden "Meta-Matics", hinterfragt Tinguely das klassische Verhältnis von schaffendem Künstler, geschaffenem Werk und Betrachtenden. Auch bei "Fifi" verschwimmen die Grenzen mit der Anwendung und das Werk stellt so, auch fast 40 Jahre nach der Entstehung, sowohl den konservierenden Umgang mit der Kunst als auch unsere von Konsum geprägte Welt in einer bemerkenswert ironischen Art und Weise in Frage. [AW]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Jean Tinguely "Fifi (Medor)"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.