Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 100

 

100
Katharina Grosse
Ohne Titel, 2015.
Acryl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
+
Ohne Titel. 2015.
Acryl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und bezeichnet, u. a. mit der Werknummer "2015/1012L". 394 x 544 cm (155,1 x 214,1 in).

• Die größte jemals auf dem internationalen Auktionsmarkt angebotene Arbeit (Quelle: artprice.com) der für ihre großen raumgreifenden Werke bekannten Künstlerin.
• Begleitend zur aktuellen Biennale di Venezia zeigt der Espace Louis Vuitton in Venedig die Ausstellung "Katharina Grosse. Apollo, Apollo".
• Das Museum Boston ehrt Grosse 2019 mit dem Auftrag einer Installation als Antwort auf Pollocks Wandgemälde von 1943 und stellt sie auf die gleiche Stufe wie den Großmeister des Action Paintings
.

Wir danken dem Studio Katharina Grosse, Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: König Galerie, Berlin.
Privatsammlung.
Privatsammlung (seit 2020).

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 20.18 h +/- 20 Min.

Die Abstraktion der Katharina Grosse entstammt der Tradition der Farbfeldmalerei, des abstrakten Expressionismus und des Informel, und ihre Techniken sind von so unterschiedlichen Richtungen beeinflusst wie Impressionismus, Graffiti, Performance, Prozess- und Installationskunst. Ihre riesigen Installationen, wie zum Beispiel das "Wunderbild" in der Prager Nationalgalerie von 2018, finden seit den 1990er Jahren immer größere Beachtung. Durch die imposante Größe kommt das hier angebotene Werk ihren Rauminstallationen äußerst nahe. Man wird bei der Betrachtung regelrecht von dem Kunstwerk umfangen und die Kunst wird körperlich spürbar. Ihre Malerei ist kompositionslos, allein bestimmt von der Farbe. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und enthebt den Farbauftrag dem malerischen Handwerk. In der Sprühpistole findet Katharina Grosse seit 1998 ihr bevorzugtes Arbeitsmittel, mit dem der Weg zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen wird. "Das Sprayen lässt Zugriffe zu, die unmittelbar aus dem Sehen kommen, während das Malen von Linien mit dem Pinsel stark aus der Körperbewegung entwickelt wird. Die Bewegung mit dem Auge ist der Bewegung mit der Spraypistole viel verbundener." (Katharina Grosse, zit. nach: Ausst.-Kat. Inside the Speaker, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2015, S. 87) Die Farbe fließt, spritzt, wabert, haucht und wird so zu einem pulsierenden, lebendigen Gebilde. Durch die unterschiedlich aufgetragenen und sich überlagernden Farbschichten entsteht eine Form von Muster. Schicht für Schicht werden die Farben, die von Kanariengelb, Azurblau, Giftgrün bis zu Orangerot reichen, aufgesprüht. Durch Schablonen werden Teile der bereits aufgetragenen Farbflächen vor dem nächsten Sprühvorgang geschützt und es entstehen klar abgegrenzte Farbformen, die sich wiederum zu collageartigen Farbflecken verbinden, deren Ränder sich krustig aufstülpen und eine haptische Wirkung erzielen. Die Loslösung der Malerei von den klassischen Bildträgern sowie die Eroberung des Raumes sind charakteristisch für viele Arbeiten der Künstlerin. Die Besonderheit der hier angebotenen Arbeit liegt in der bewussten Einbeziehung des weißen Untergrunds der Leinwand. Er unterstreicht das Schablonenhafte des Farbgebildes, zügelt die Farbfläche, rahmt sie ein und gibt ihr den Raum, ihre ganze Wirkung zu entfalten. Die Farbstrukturen scheinen über die Leinwand zu wachsen, durch die Leinwand hindurchzubrechen und den Bildraum für sich zu erobern. Man wird beim Betrachten gefangen genommen von der Magie der oszillierenden Farbwelt der Katharina Grosse. In ihrem Heimatland Deutschland ist Katharina Grosse schon lang ein Begriff, ist mitlerweile aber auch international bekannt. Seit 2017 gehört sie zum Künstlerkader der Gagosian Gallery und ihre Werke befinden sich heute in so bedeutenden Institutionen wie dem Centre Pompidou in Paris, dem Kunsthaus Zürich und dem Museum of Modern Art in New York, um nur einige zu nennen. Eine besondere Auszeichnung wird ihr zuteil als sie im Juli 2019 vom Museum of Fine Arts in Boston beauftragt wird, ein Werk ebenbürtig zu Jackson Pollocks ikonischem, sechs Meter hohen Wandgemälde von 1943 zu schaffen. Die großformatige und ortsspezifische Installation, die bis Februar 2020 zu sehen war, ist eine lebendige Antwort auf das berühmte Vorbild und zelebriert Bewegung und Farbe. Katharina Grosse wird mit dem Großmeister des Action Paintings auf eine Stufe gehoben, da beide Künstler:innen die Malerei durch ihre innovativen Techniken und ihre Herangehensweise an die Farbe wegweisend verändert haben. [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Katharina Grosse "Ohne Titel"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.