Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 34

 

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Oskar Schlemmer
Ornamentale Plastik, 1919.
Silber-Relief, massiv
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
+
Ornamentale Plastik. 1919.
Silber-Relief, massiv.
Von Maur P 3a. Aus einer Auflage von 7 Exemplaren. 45,5 x 20 x 9 cm (17,9 x 7,8 x 3,5 in).
Posthumer Guss in Silber ab 1965, gegossen bei Brotal, Mendrisio.
• Aus der bedeutenden Sammlung Serge Sabarsky.
• "Ornamentale Plastik" ist die einzige nicht-figurale Plastik im Œuvre Schlemmers.
• Motivisch bezieht sich das Relief auf einen Entwurf für den Vorhang des Triadischen Balletts.
• Oskar Schlemmers Reliefs sind wegweisende Marksteine für die Bildhauerei in Deutschland.
• Ein weiterer Guss befand sich 1972 - 1994 als Leihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart (Nachlass Schlemmer)
.

PROVENIENZ: Sammlung Serge Sabarsky (1912-1996), New York (seit 1984).
Nachlass Serge Sabarsky, New York.
Sammlung Vally Sabarsky (1909-2002), New York.
Vally Sabarsky Stiftung, New York.

AUSSTELLUNG:
Oskar Schlemmer, Gemälde von 1909 bis 1942, Mannheimer Kunstverein, 30.4.-17.6.1967, Kat.-Nr. 67 (wohl anderes Exemplar).
50 Jahre Bauhaus, Kunstgebäude am Schlossplatz, Stuttgart / Royal Academy, London / Stedelijk Museum, Amsterdam, u. v. a. 1968/71, S. 298, Kat.-Nr. 2641.
Expressionisten - Bedeutende Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen 17 Deutscher Expressionisten in der Serge Sabarsky Gallery, New York, in Zusammenarbeit mit Galerie Aenne Abels, Köln, 1972, Kat.-Nr. 77 (m. Farbabb.).
Universe of Art III Fischer Fine Art, London, 1973, Nr. 60 (m. Abb., anderes Exemplar 3/7).
Die Zwanziger Jahre, Kunstgewerbemuseum Zürich, 25.5.-2.9.1973, Kat.-Nr. 137 (wohl anderes Exemplar).
Expressionisten, Galerie Thomas, München, 1973, Nr. 44 (m. Abb.).
1977 Berlin, Tendenzen der Zwanziger Jahre, Nr. 1/244 (anderes Exemplar 3/7).

LITERATUR:
Werner Spies (Hrsg.), Oskar Schlemmer. Das Plastische Werk, Stuttgart 1972, S. 16f. (Abb. S. 15, wohl anderes Exemplar).
Auction 393, Standard Commission (Justin Ebersman), New York, 26.2.1976, Nr. 7 (m. Abb., anderes Exemplar 5/7).

"Mit Plastik habe ich wenig zu tun [..] Oskar Schlemmer und Wilhelm Lehmbruck zählen zu den Ausnahmen."
Serge Sabarsky

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.06 h +/- 20 Min.

Oskar Schlemmer befindet sich 1918 im letzten Jahr seiner Akademieausbildung in Hölzels Meisterklasse an der Stuttgarter Akademie. Heftige Dispute um seinen Lehrer Adolf Hölzel und dessen innovative Lehrmethoden erschüttern die gesamte Studentenschaft und den Lehrkörper; das Ganze gipfelt in Hölzels Demission. Da versucht Oskar Schlemmer, der zum Studentenvertreter gewählt worden war, Paul Klee als Nachfolger ins Spiel zu bringen, was letztlich aber scheitert. Zeitgleich gründet Oskar Schlemmer im Jahr 1919 gemeinsam mit Willi Baumeister, Gottfried Graf, Edmund Daniel Kinziger, Albert Mueller und Hans Spiegel die Künstlergruppe "Üecht" (aus: schweizerisch "uechtig" = wuchtig, tüchtig; mhd. "uohta" = Morgendämmerung). Wie viele andere hofften sie auf eine Erneuerung der Kunst und der Gesellschaft, und ganz unmittelbar auf Veränderungen der verkrusteten Strukturen an der Stuttgarter Akademie sowie eine umfassende Reform des Kunstunterrichts. Das Programm, das Schlemmer in diesem Zusammenhang dem württembergischen Kultusministerium vorschlägt, entspricht letztlich den wenig später im Bauhaus verwirklichten Strukturen.
Als erstes organisiert die Gruppe eine "Herbstschau Neuer Kunst" in den Räumlichkeiten des Württembergischen Kunstvereins. Oskar Schlemmer gelingt es, eine repräsentative Auswahl von Künstlern der Galerie “Der Sturm” mit in die Ausstellung zu holen, sie bekommen einen eigenen Raum. In dieser Ausstellung zeigt Oskar Schlemmer, der zuvor ausschließlich zweidimensional gearbeitet hatte, seine ersten Reliefarbeiten. 1920 kann er die hier gezeigten Werke in Berlin in Herwarth Waldens Galerie "Der Sturm" zeigen (Abb.), damit ist er im Kreis der internationalen Moderne angekommen. Das Jahr 1919 ist somit ein wegweisendes und wichtiges Jahr für Schlemmers weiteren Werdegang.
"Ornamentale Plastik auf geteiltem Rahmen", heute in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, gehört auch zu den in der Herbstschau Neuer Kunst gezeigten Arbeiten (Abb.). Das plastische Herzstück dieses Werkes, das im Werkverzeichnis von Maur als erste plastische Arbeit geführt ist, existiert auch als Einzelplastik in Gips ohne polychrome Fassung und aufgeteilten Rahmen. 1965 gab die Witwe Tut Schlemmer den Auftrag für den massiven Silberguss dieser Komposition an die Gießerei Brotal in Mendrisio.
Die "Ornamentale Plastik" ist die einzige skulpturale Arbeit Schlemmers, die keine figurale Abstraktion darstellt. Einen Hinweis auf die mögliche Intension gibt ein Aquarell von 1919 (v. Maur A 60), welches Schlemmer wohl etwas später im Bauhaus auf dem Untersatzkarton als "Vorhang-Entwurf (Application) zu dem 'Triadischen Ballett' 1919" bezeichnet (Abb.). Erste Studien zu den Kostümen entstanden schon 1916. Die in der ornamentalen Plastik verwendeten Formen erinnern an Orgelpfeifen oder die Umrissformen von Notenzeichen. So kann man hier durchaus von einem musischen Ornament sprechen. Schlemmer selbst ist ein höchst musischer und auch musisch denkender Mensch gewesen. Davon zeugt neben den Kostümen und Partituren für das "Triadische Ballett" auch das "Ornamentale Relief". [EH]



 

Aufgeld und Steuern zu Oskar Schlemmer "Ornamentale Plastik"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

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Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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