Auktion: 532 / 19th Century Art am 10.12.2022 in München Lot 346

 

346
Franz von Stuck
Bildnis der Tochter Mary, Um 1916.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Bildnis der Tochter Mary. Um 1916.
Öl auf Holz.
Voss 475. Rechts unten signiert. Verso mit dem Stempel der Gebrüder Oberndorfer, München. 59,5 x 51,5 cm (23,4 x 20,2 in).
Im Original-Künstlerrahmen von Irlbacher (verso zweifach mit dem Etikett).
• Der Münchner 'Malerfürst' Stuck brilliert neben seinen mythologischen Szenen vor allem in der Porträtkunst.
• Seine einzige Tochter Mary ist von Kindheit an eines seiner beliebtesten, am häufigsten und variantenreichsten gemalten sowie erfoglreichsten Motive.
• Stuck inszeniert die 20jährige hier mit reduzierten und kraftvollen Kompositionsmitteln als elegante und kultivierte junge Dame.
• Eines der letzten Bildnisse Mary Stucks vor ihrer Hochzeit mit Albert Heilmann
.

PROVENIENZ: Piccadilly Gallery, London (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Großbritannien (1974 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Franz von Stuck 1863-1938, Piccadilly Gallery, London, 26.3.-4.5.1974, Kat.-Nr. 18 (m.Abb.).

LITERATUR: Neumeister KG, vorm. Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller, München, Auktion 20.-22.6.1968, Nr. 1988 (m. Abb. Taf. 97).
Franz von Stuck und die Photographie, hrsg. von Josef A. Schmoll u. a., Ausst.-Kat. Museum Villa Stuck, München 1996, Frontispiz u. Kat.-Nr. 239: Fotografische Bildnisstudie aus dem Nachlass.

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 15.31 h +/- 20 Min.

Mary entstammt als einzige leibliche Tochter von Franz von Stuck aus einer Liebesbeziehung mit Anna Maria Brandmaier (1875-1944), eine Serviererin im Café Luitpold und Model für die "Sünde". Weil aus der Ehe seit 1897 mit der vermögenden und verwitweten Mary Lindpainter (1865-1929) keine eigenen Kinder folgen, setzen sie bei Prinzregent Luitpold das Recht auf eine Adoption durch. Der Maler porträtiert seine innig geliebte Tochter über sein komplettes künstlerischen Schaffen hinweg. Sie heiratet im Jahr 1917 Albert Heilmann der Baufirma Heilmann & Littmann, die von 1914-15 die Villa und das "Neue Atelier" errichten. Unser Bild ist eines der letzten Bildnisse seiner Tochter, da Stuck sich nach ihrer Hochzeit stattdessen vorrangig seinen Enkeln widmet. Es markiert mit Beginn des Ehelebens von Mary einen bedeutenden Wendepunkt zwischen Vater und Tochter. Das sonst junge, verspielte und in Kostümen dargestellte Kind ist in diesem Porträt eine junge Erwachsene. In seinem eigenen unverkennbaren symbolistischen Pathos zeigt Stuck seine Tochter in einer zurückhaltend selbstbewussten Position. Sie lehnt sich über eine Armlehne eines roten Stuhls, den der Künstler selbst für die Möbelausstattung der Villa Stuck entworfen hatte und auf weiteren Frauenporträts auftaucht. An ihrer elegant positionierten Hand ist ihr Verlobungsring zu erkennen. Durch Marys hervorlehnende Position entsteht zudem eine für Stuck ungewöhnliche Räumlichkeit. Die Gesamtkomposition erweckt den Eindruck einer Momentaufnahme. Tatsächlich brachte 1968 ein Zufallsfund einer erstaunlich großen Sammlung von Fotografien während einer Durchsicht des Nachlasses im Keller der Villa Stuck ans Licht, dass sich Stuck für seine Bildnisse an fotografischen Vorlagen, aufgenommen zumeist von ihm selbst oder seiner Frau Mary, bedient. Weitere Papierabzüge und Skizzen lassen das direkte Arbeiten mit den Fotografien nachvollziehen. Wie selbst die größten Maler der Zeit, in Frankreich bspw. Degas und Manet nutzte er die Fotografie als Hilfsmittel. Trotz der hilfreichen Vorlagen legt Stuck keinen Wert auf eine fotorealistisch genaue Darstellung seiner Modelle, sondern fokussiert sich vielmehr auf die malerische Eleganz und dekorative Wirkung. Deutlich wird dies indem die schlichte Halbprofilansicht von Mary auf komplizierte Detailverhaftungen verzichtet und dadurch einen Raum für eine weiche, fast liebliche Harmonie schafft. Nach symbolistisch-mystifizierender Manier lässt Stuck seine Tochter dramatisch aus einem dunklen Hintergrund, der mit ihrem Hut verschmelzen zu scheint, in ein kühleres Dämmerlicht hervortauchen. [CS]



 

Aufgeld und Steuern zu Franz von Stuck "Bildnis der Tochter Mary"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.