Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 28

 

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Sol LeWitt
Cube (A), 1994.
Gouache auf festem Velin
Schätzpreis: € 160.000 - 240.000
+
Cube (A). 1994.
Gouache auf festem Velin.
155 x 153,5 cm (61 x 60,4 in), blattgroß.

• Monumentale Gouache, die LeWitts ikonisches Grundmotiv in leuchtend flirrender Farbigkeit inszeniert.
• Die geometrische Grundform des Würfels (Cube) ist der für LeWitts künstlerisches Schaffen grundlegende Bildgegenstand.
• Eine der letzten Auseinandersetzungen des Meisters der Minimal Art mit der Würfelform, kurz vor deren vollständiger Auflösung in unregelmäßige Netzstrukturen.
• Die ebenfalls in diesem Kontext entstandene, monumentale Gouache "Four-Part Brushstroke" (1994) befindet sich in der Sammlung des San Francisco Museum of Modern Art
.

Wir danken Sofia LeWitt, The Estate of Sol Lewitt, New York, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Lisson Gallery, London (auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
Bankensammlung Sal. Oppenheim, Köln (wohl bis 2020).

LITERATUR: 10 Jahre Sammlung Sal. Oppenheim. 1997-2007, hrsg. v. Sal. Oppenheim jun. & Cie. S.C.A., Luxemburg 2007, S. 249 (m. Abb., hier fälschlich unter dem Titel "Cube (B)" verzeichnet).



Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 17.54 h +/- 20 Min.

Wohl kein anderes künstlerisches Œuvre ist so zentral und fortwährend mit nur einer geometrischen Grundform verbunden wie Sol LeWitts Schaffen mit der Form des Würfels. Ab den 1960er Jahren setzt sich der Künstler intensiv mit dieser geometrischen Grundform auseinander, diese Auseinandersetzung macht ihn bald zu einem der bedeutendsten Pioniere der amerikanischen Minimal Art und Konzeptkunst. In den 1960er Jahren entsteht auf diese Weise ein beeindruckendes skulpturales Schaffen, bei dessen Konzeption LeWitt aus der seriellen Reihung und musterartigen Progression die Würfelform gewinnt. Dabei entstehen faszinierende schwarze oder weiße Strukturen, die durch ihren gitterartigen Aufbau und ihre zahlreichen Öffnungen mit dem umgebenden Raum verschmelzen. Ausgehend von diesen architektonisch durchkonzipierten Strukturen, bleibt der Würfel fortan auch in Malerei, Zeichnung und Grafik das werkbestimmende Thema des weltberühmten amerikanischen Künstlers. Egal ob in der Drei- oder Zweidimensionalität, LeWitts faszinierendes Schaffen schöpft aus der schier unendlichen Vielfalt der Reihung, Modulation und Variation des Würfelmotives. Bis in die 1980er Jahre hinein unterliegen LeWitts Arbeiten jedoch noch einem farblichen Minimalismus, der vorrangig auf den beiden Nichtfarben Schwarz und Weiß basiert. Erst dann öffnet sich sein Werk, wird farblich kraftvoller und bewegter, lässt zudem einen sichtbaren Pinselduktus sowie farbige Binnenstrukturen zu. In den monumentalen Gouachen der 1990er Jahre, zu der unsere leuchtende Arbeit zählt, erreicht diese Offenheit und Freiheit des Ansatzes ihren Höhepunkt, hier wird die farbige Zergliederung der geometrischen Grundform auf die Spitze getrieben. Immer noch ist es der Würfel, der uns in "Cube (A)" gegenübertritt, allerdings ist die Auflösung der ehemals monochromen Flächen hin zu einem leuchtenden Arrangement aus horizontalen, vertikalen und diagonalen Pinselstrichen in bunt gemischten Farbnuancen bis ans Maximum getrieben. Mehr flirrende Farbigkeit ist nicht möglich, ohne den Gegenstand, die seit den 1960er Jahren LeWitts Werk prägende geometrische Grundform des Würfels, zu opfern. Und genau diese Auflösung der Form ist es letztlich auch, die um das Entstehungsjahr der vorliegenden Arbeit herum in den "Wavy Brushstrokes", "Squiggly Brushstrokes" oder "Irregular Brushstrokes" betitelten Gouachen passiert und schließlich zu den monochrom die Fläche beherrschenden, unregelmäßigen Netzstrukturen der "Irregular Grids" führt, die LeWitt wenige Jahre vor seinem Tod geschaffen hat. [JS]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Sol LeWitt "Cube (A)"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung der Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.