Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 48

 

48
Ernst Wilhelm Nay
Persisches Gedicht, 1949.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 180.000 - 240.000
+
Persisches Gedicht. 1949.
Öl auf Leinwand.
Scheibler 469. Links unten signiert und datiert. Auf dem Keilrahmen signiert, datiert und betitelt. 65,5 x 110 cm (25,7 x 43,3 in).

• Aus der Werkserie der "Fugalen Bilder".
• Farbgewaltiges Zeugnis für Nays Auseinandersetzung mit Musik als zentrale Inspirationsquelle dieser Schaffensperiode.
• Balance zwischen Ordnung und Bewegung.
• Am Übergang von der Figuration zur Abstraktion.
• Aus der Sammlung Beck, Stuttgart, die Moderne Kunst von Weltrang beinhaltet
.

PROVENIENZ: Dr. Helmut Beck, Stuttgart (1919-2001, direkt vom Künstler).
Privatsammlung (seit 2002).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Nay - Ölbilder, Gouachen, Zeichnungen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main, 8.6.-Mitte Juli 1949, Kat.-Nr. 23.
Von Nay bis Altenbourg. Meisterwerke der deutschen Nachkriegsmoderne aus einer Privatsammlung, Kunstmuseum Erfurt, 5.6.-11.9.2016 (Ausst.-Kat. m. Abb. S. 49).

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.34 h +/- 20 Min.

Die relativ kurze Periode der sog. Fugalen Bilder von 1949 bis 1951 erweist sich für Nay als eine Zeit der geistigen Klärung und Ordnung. Mit der Aufnahme des Ornamentalen als bildnerische Gestaltungsform gewinnt die Farbe an Bedeutung, in ihrer ästhetischen Erscheinung wird sie zu einem bestimmenden Stilmerkmal dieser Zeit. Nay bildet Farbkonstellationen, deren Wertigkeit die Bildfläche ordnen. Dies ist eine Entwicklung, die sich weiter fortsetzt in zunehmend ornamental gegliederten Flächen aus ungegenständlichen, aber benennbaren Formen, wie Schleifen, Linien, Punkten. Nays theoretischer Ansatz ist die Analyse von Farb- und Flächenvariationen mit der Folge, die Binnenstruktur der Farbformen immer mehr aufzugeben, sich wegzubewegen vom Expressiven, zugunsten einer Wiederaufnahme von geklärten, disziplinierten und rein chromatischen Farbflächen. Diese sind eingefasst von schwarz- oder buntfarbigen Linien, die wie Stege in ihrer Gesamtheit die Komposition umschreiben und Zellen für Farben bilden – ein konstruktives Prinzip, ein ausbalanciertes Gerüst aus Farbflächen und die Komposition rhythmisierenden Linien, gleichermaßen als Verbindungs- oder Begrenzungslinien. Nay variiert ein Muster aus Kreis- und Augenformen, Rauten- und Schweifformen über kontrastierenden monochrom oder prismatisch unterteilten Farbflächen. Scheinbar geordnet, aber dennoch ohne Ziel schlingen sich Linien, bilden sich durch Kreuzungen und Begegnungen Farbinseln, welche ordnend das kompositorische Gleichgewicht aufnehmen. „Es entsteht Plastik, ohne daß plastische Illusionen entstehen“, so Nay über den Gestaltwert seiner Farben. (E. W. Nay an den Kunsthistoriker Alfred Hentzen am 14. Mai 1950) Mit dem von ihm erfundenen Farb-und Formenkanon spricht Nay wie kaum ein anderer Zeitgenosse den Betrachter über den Klang der Farbe an, provoziert Gefühle, Harmonie oder Dissonanz mit seinen intuitiven Farbkompositionen, die je nach Kälte und Wärme, je nach Klang und Schönheit der Farbeigenschaften ein Gefühl von vollendeter Ausgewogenheit erzeugen.
Das Werk "Persisches Gedicht" stammt aus der bedeutenden, aber sehr privaten Sammlung Beck aus Stuttgart. Die Kunstsammlung von Weltrang beinhaltet alle Namen, die in deutschem Expressionismus und klassischer Moderne gesucht sind. Den Anfang der Sammlung macht Paul Beck, geboren 1887. Aus einfachen Verhältnissen kommend, gründet er sein eigenes Heizungs- und Sanitärunternehmen, das letztendlich das größte in Baden-Württemberg werden wird. Den Weg zur Kunst findet er über die Literatur. Die meisten seiner Kunstwerke kauft er direkt von den Künstlern oder deren Erben. So pflegt er Freundschaft mit Käthe Kollwitz und Oskar Schlemmer, ist gut bekannt mit Gerhard Marcks, Willi Baumeister oder dem Sohn von August Macke. Der Familie des Stuttgarter Malers Adolf Hölzel baut er eine Zentralheizung ein im Tausch gegen einen Gutteil des Nachlasses. Sein Sohn Helmut erbt die bereits umfangreiche Kunstsammlung 1949, zu der auch Arbeiten von Wassily Kandinsky, August Macke und Alexej von Jawlensky gehören, und führt sie weiter. Auch er verfährt in der Akquisition neuer Werke ähnlich wie sein Vater: Er pflegt engen Kontakt zu den Künstlern selbst. So verbindet Helmut Beck zum Beispiel eine lebenslange Freundschaft zu Willi Baumeister und Ernst Wilhelm Nay. Das Werk "Persisches Gedicht" erwirbt er vom Künstler direkt. [MvL/SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Ernst Wilhelm Nay "Persisches Gedicht"
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Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
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weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.