Auktion: 521 / Wertvolle Bücher am 29.11.2021 in Hamburg Lot 421000450

 
421000450
Alfred Hrdlicka
Wie ein Totentanz, 1974.
Mappe
Schätzpreis: € 14.000
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Objektbeschreibung
Ein besonderer Tanz der Toten

Alfred Hrdlicka
Wie ein Totentanz. 53 Radierungen zum 20. Juli. Frankfurt/Berlin/Wien, Ullstein und Propyläen 1974.

- Eine der bedeutendsten und meistausgestellten Graphikfolgen von Alfred Hrdlicka
- Eine neue Bildsprache des politisch engagierten Künstlers
- Programmatischer Beitrag zur Kunst nach 1968
- 1 von 30 Exemplaren


"Wenn man nach Zäsuren im druckgraphischen Werk Hrdlickas suchen will, so ist der Zyklus 'Wie ein Totentanz' sicher eine solche." (Michael Lewin)
"Die feine Witterung für alles Totalitäre, den Sensus für politische Entwicklungen, die das Wölfische, die Bestie im Menschen wecken, hat sich Alfred Hrdlicka bis heute erhalten." (Trautl Brandstatter)
1 von 30 numerierten Exemplaren dieser seltenen, großformatigen und ausgesprochen eindrucksvollen Graphikfolge Hrdlickas. Durchweg prachtvolle Drucke auf kräftigem und breitrandigen, chamoisfarbenem BFK Rives-Velin, Plattengröße und Papierformat variierend, in Kaltnadel und Aquatinta, jede Radierung signiert, datiert und numeriert, eingelegt in numeriertem, grauem Papierumschlag mit den Texten des Künstlers. Der Druck der Radierungen erfolgte im Atelier Walter Fischer in Wien, die Typographie und Ausstattung stammt von Kurt Weidemann, Stuttgart.
"Nicht nur ist er Hrdlickas bis zu diesem Zeitpunkt weitaus größter Zyklus, der Künstler entwickelt auch teilweise eine neue Bildsprache. Erstmals probiert Hrdlicka in großem Umfang innerhalb eines Zyklus eine Erzähltechnik aus, die er im Grunde bis heute, also bis zum Zyklus 'Die Französische Revolution', beibehalten hat. Der Zyklus bleibt streng chronologisch bei den historischen Ereignissen. Aus der Auswahl der Situationen und der Gewichtung von Szenen innerhalb des Zyklus ergibt sich der Kommentar. Thema ist die späte Erhebung eines kleinen Teils der Generalität gegen Hitler. Der Künstler verfolgt den Militarismus, der letztlich die Hauptschuld am Zustandekommen des Nationalsozialismus trägt, bis zu seinen Anfängen in der deutschen Geschichte zurück, nämlich bis zu Friedrich dem Großen. Er läßt es auch nicht mit den Massenhinrichtungen der gescheiterten Attentäter und dem fortgesetzten Krieg bewenden, sondern zieht die Handlung bis in die Zeit der Entstehung der Arbeiten, bis zum Sturz Allendes in Chile, weiter. Innerhalb dieser Zeitspanne schildert Hrdlicka die Grundlagen für die Ereignisse des 20. Juli 1944, er glorifiziert die Attentäter nicht und zeigt in drastischen Darstellungen das Ende der Revolte .. 'Wie ein Totentanz' gehört zu den meistausgestellten graphischen Zyklen Hrdlickas." (Lewin S. 431)
"Die düsteren Radierungen mit zum Teil drastischen Darstellungen von Grausamkeit und Gewalt, denen Hrdlicka durch Kommentartexte eine weitere Bedeutungsebene verlieh, sind eine komplexe Hommage an motivisch verwandte Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte ein programmatischer Beitrag zur Kunst nach 1968 und ein kritischer Kommentar zur deutschen Erinnerungspolitik zugleich." (Aus dem Begleittext zur Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum München im Sommer 2017, in der dieser Radierzyklus auch zu sehen war)

EINBAND: Lose Graphiken in schwarzer Orig.-Leinenkassette. 81,5 : 112 cm. - ILLUSTRATION: Folge von 53 signierten Orig.-Radierungen, jede Graphik in eigenem, numerierten Papierumschlag mit beschreibendem Text. - ZUSTAND: Vollständiges, wohlerhaltenes und sauberes Exemplar, mit guten Abzügen der Graphiken. - PROVENIENZ: Süddeutsche Sammlung.

LITERATUR: Lewin 565-617 A. - Alfred Hrdlicka: Claus von Stauffenberg und der 20. Juli 1944. Katalog Gal. Valentien 2005.

One of Alfred Hrdlicka's most important graphic series. A new pictorial language of the politically active artist and his programmatic contribution to art after 1968. 1 of 30 copies. Loose prints in black orig. cloth case. 81.5 : 112 cm. Series of 53 signed original etchings, each print in its own numbered wrapper with accompanying text. - Complete, well-preserved and clean copy with prints in strong impression.(R)

 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Alfred Hrdlicka "Wie ein Totentanz"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2 % zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.