Qualität entscheidet
München (kk) - Ausgezeichnete Qualität bestimmt das Bild der Sonderauktion Seitenwege der deutschen Avantgarde, die Ketterer Kunst am 5. Dezember 2006 im HVB Forum, Kardinal-Faulhaber-Str. 1 in München veranstaltet. Insgesamt kommen rund 60 Arbeiten von August Babberger über Ernst Geitlinger und William Straube bis hin zu Walther Wahlstedt mit Schätzungen von € 500 bis € 14.000 zum Aufruf.
Das künstlerische Werk dieser Künstler ging oft im Krieg verloren oder fiel der Zerstörung und später der Vergessenheit zum Opfer. Daher ist es um so wichtiger, die wenigen Arbeiten, die den Vergleich mit so bekannten Namen wie Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner oder August Macke nicht zu scheuen brauchen, wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.
Diese Auktion will - wie die beiden äußerst erfolgreichen Veranstaltungen im Jahr 2004 und 2005 - einen Impuls zur Wiederentdeckung vergessener Talente geben und richtet sich vor allem an die Sammler, die sich vorrangig vom Qualitätskriterium und nicht unbedingt vom Klang berühmter Namen leiten lassen.
An der Spitze des Angebots, das sich auf Werke konzentriert, die in der Zeit von 1900 bis in die späten 1930er Jahre entstanden, steht mit einer Schätzung von € 10.000-14.000 Rudolf Levys Ölgemälde „Südliche Landschaft. Seine mit leuchtenden Farben gemalten Werke verraten den Einfluss seines Lehrers Henri Matisse und die Auseinandersetzung mit der Malerei von Paul Czanne. Als einer der wenigen Künstler dieser vergessenen Generation hat Levy bereits den Sprung in zahlreiche öffentliche Sammlungen deutscher Museen geschafft.
Stilistisch auf der Höhe seiner Zeit zeigt sich August Babberger mit seiner € 8.000-10.000 taxierten Arbeit „Gewitter am See” von 1915. Zunächst steht er Hans von Mares und Ferdinand Hodler sehr nahe, doch später vor allem Ernst Ludwig Kirchner. Er setzt seine elementar stilisierende Malerei unter Verwendung intensiver Farben und dynamischer Formen in bester expressionistischer Manier ein.
Mit einer Taxe von € 6.000-8.000 kommt Paul Kothers „Doppelporträt (Otto Mueller und seine Frau)” zum Aufruf. Kother war nicht nur mit dem Brücke-Künstler befreundet, sondern auch verschwägert. Daraus ergab sich eine große Nähe zu anderen Künstlern dieser Gruppe, mit denen er auch gemeinsam in Ausstellungen vertreten war.
Vom Impressionismus kommend setzte sich Carl Christoph Hartig besonders mit dieser Stilrichtung auseinander, wurde aber auch von den Fauves und den Kubisten inspiriert, woraus er seinen ganz eigenen Stil formte. Wie auch in seinem 1919 entstanden Ölgemälde „Stadt mit Kirche und Viadukt”, das mit einer Schätzung von € 4.000-5.000 angeboten wird, steht immer wieder die Stadt im Mittelpunkt seiner Arbeit.
Im Gegensatz dazu steht das Motiv einer von Hans Breinlinger 1919 in Öl gemalten Arbeit. Seine „Akte in Landschaft” bestechen, wie sein Frühwerk im Allgemeinen, durch den breitflächigen Farbauftrag mit Pinsel, Fingern oder Spachtel sowie die leuchtende Farbigkeit. Die Taxe liegt bei € 3.000-4.000.
Leuchtende Farben bestimmen auch den mit € 2.000-2.500 bewerteten „Frühlingsabend (Allee bei Dresden)” von Pol Cassel. Dieses Aquarell aus dem Jahr 1925 rückt den Künstler in die Nähe von Emil Nolde, mit dem er 1928 neben Otto Dix und Ernst Ludwig Kirchner in Dresden ausstellte. Zwei Jahre später beteiligte er sich zudem gemeinsam mit Lovis Corinth, Max Liebermann, Käthe Kollwitz und Paul Klee an einer Wanderausstellung.
Bei € 1.800-2.400 liegt die Schätzung für Fritz Fuhrkens Aquarell „Gefangenenlager, Baracken und Garten” aus dem Jahr 1919. Beeinflusst von Mitgliedern des Berliner „Sturm”, die er während seiner englischen Kriegsgefangenschaft kennen lernt, beginnt der Künstler 1918 mit der Aquarellmalerei. Dabei ist ihm die Aufarbeitung der jüngsten Geschehnisse, wie in der vorliegenden Farbstudie, ein besonders dringendes Anliegen.
Spannung im Auktionssaal lässt auch das mit einer Taxe von € 1.500-2.500 angebotene und in den 1920er Jahren entstandene Ölgemälde „Frauen bei der Feldarbeit” von Alexander Gerbig erwarten. Der Künster kam bereits 1906 durch seine lebenslange Freundschaft zu Hermann Max Pechstein mit der Künstlergemeinschaft „Die Brücke” in Berührung.
Zu den wenigen Künstlern dieser Generation, deren Werk gut dokumentiert ist, zählt Annemarie Jacob. Über 500 Aquarelle und Gemälde sowie Aufzeichnungen der Leipzigerin sind im Rahmen einer Familienchronik erhalten. In dieser Auktion ist sie neben der Gouache „Dorf mit Schornsteinen” mit zwei weiteren Arbeiten vertreten. Die Schätzungen liegen zwischen € 800 und € 1.500.
Weitere Werke kommen unter anderem von: Walter Becker, Hans Brasch, Georg Breitwieser, Josef Eberz, Curt Ehrhardt, Elisabeth Ivanowna Epstein, Hermann Finsterlin, Andreas Friis, Emil Ganso, Ernst Geitlinger, Emil von Gerliczy, Engelbert Gminska, Hans Siebert von Heister, Otto Herbig, Oldrich Konicek, Otto Lindemann, Friedrich Ludwig, Hermann Mühlen, Helena Riedel, Heinrich Rüter, Heinrich Schlief, William Straube, Otto Wachsmuth und Walther Wahlstedt.
Die Vorbesichtigung ausgewählter Werke ist in Hamburg am 15. und 16. November von 11-17 Uhr bei Ketterer Kunst im Meßberg 1 möglich.
Alle Werke werden - neben der Vernissage am 27. November - in der Prinzregentenstr. 61 bei Ketterer Kunst in München zu folgenden Terminen gezeigt:
27.11.-01.12.von 10-18 Uhr
02.12.-03.12.von 11-17 Uhr
04.12.von 09-13 Uhr
An den obenstehenden Terminen kann zudem die Offerte der Hauptauktion Modern Art & Post War, die ebenfalls am 5. Dezember stattfindet, besichtigt werden. Das Angebot reicht hier von Hermann Max Liebermann und Pierre Soulages bis hin zu Martin Kippenberger und Neo Rauch. Die Schätzungen liegen zwischen € 900 und € 300.000.
Ketterer Kunst hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1954 als eines der wichtigsten Kunst- und Buchauktionshäuser etabliert. Während das Stammhaus im Münchener Prinz-Alfons-Palais die zwei jährlichen Traditionsauktionen Modern Art & Post War ausrichtet, finden im Hamburger Meßberghof je zwei Auktionen pro Jahr mit folgenden Themenbereichen statt: Alte und Neuere Meister/Maritime Kunst und Wertvolle Bücher - Autographen - Manuskripte - Dekorative Graphik sowie Modern Art & Post War, wobei hier der Schwerpunkt bei Arbeiten auf Papier liegt. Außerdem finden immer wieder Ausstellungen, Sonder- und Benefizauktionen statt.
Hamburg, den 24. Oktober 2006