Auktionen Klassische Moderne und Kunst NACH 1945
Kinderköpfchen für € 600.000 zu verkaufen
München, 28. Oktober 2010, (kk) - „Noch vor kurzem sorgte die weltweite wirtschaftliche Unsicherheit für ängstliche Prognosen auf dem Kunstmarkt, doch Kunst hat sich mehr denn je als gefragte Form der Anlage durchgesetzt”, so Robert Ketterer. In seiner Haupt-Auktion am 4. Dezember wartet er mit einem starken Angebot von Expressionismus bis Gerhard Richter und Co. auf.
Kirchner Ernst Ludwig Kirchner
Kinderköpfchen. 1906
Öl auf Malpappe. 48,4 x 50,2 cm (19 x 19.7 in)
Schätzpreis: € 600.000-800.000

Die Offerte umfasst:
1) Moderne Kunst
2) NACH 1945/Zeitgenössische Kunst


zu 1) Moderne Kunst
Angeführt wird dieser Bereich von Ernst Ludwig Kirchners 1906 entstandener Arbeit „Kinder-köpfchen”. Inspiriert durch das Werk von van Gogh vermischen sich impressionistische Elemente mit den kraftvollen Pinselstrichen einer sich deutlich ankündigenden elementar-expressiven Aussage. In der Anlage des Hintergrunds sowie der Farbgebung als solcher lassen sich zudem Einflüsse des Jugendstils erkennen. Das Gemälde verdeutlicht den Weg dieses wichtigen Künstlers und zeigt, wie Kirchner mit starkem Willen von der Inspiration zu absolutem Neuland gelangte. Die Schätzung liegt bei € 600.000-800.000.

Ganz oben angesiedelt sind auch vier Arbeiten von Gabriele Münter an deren Spitze eine „Landschaft mit Haus in Oberau” steht, die zwischen 1908 und 1912, einer Zeit der künstlerischen Wende auch für Münter entstand. Zu diesem Zeitpunkt entdeckt sie eine neue Art des Sehens und findet von einem nachempfundenen Impressionismus hin zum, wie sie selbst sagt „Fühlen des Inhalts - zum Abstrahieren - zum Geben eines Extrakts”. Die Schätzung ist mit € 200.000-300.000 angesetzt. Während das 1919 entstandene Werk „Vom weißen Busch” für € 90-000-120.000 an den Start geht, erwartet man für die beiden Gemälde „Landschaft am Meer” von 1919 und „Landschaft mit Kindern” (um 1935) je € 100.000-150.000.

In der Führungsriege findet sich neben László Moholy-Nagys mit € 140.000-180.000 bewertetem und 1919 entstandenem Ölgemälde „Landschaft mit Häusern” auch Conrad Felixmüllers „Tiggaren, der Bettler”, ein Aquarell aus dem Jahr 1924. Dem sozialkritischen Motiv des im Vordergrund platzierten, hilfsbedürftigen Bettlers steht die frische Farbigkeit gegenüber, die der Gesamtkomposition einen zuversichtlichen Grundton verleiht. Die Taxe liegt bei € 100.000-150.000.

Dem spätberufenen Richard Ziegler gelingt, was andere selbst nach mühevollen Anläufen kaum erreichen: In kurzer Zeit reiht er sich in die deutsche Avantgarde ein, um gemeinsam mit Dix und Grosz in der „Novembergruppe” auszustellen. Sein Ölgemälde „Die Polizei” von 1929 schildert den Tanz auf dem Vulkan, der nirgendwo in Europa so emphatisch zelebriert wird wie im Berlin der Mitzwanziger. Die Künstler sehen in den fallenden gesellschaftlichen Schranken das Spiegelbild einer Gesellschaft, die sich keinem Reglement unterwerfen will. Der Schätzpreis liegt bei € 50.000-70.000.

Neben Emil Noldes um 1935 entstandenem Aquarell „Marschlandschaft” gelangen auch August Mackes Tuschzeichnung „Morgenpromenade” von 1913 und ein „Liegender Akt” von Christian Rohlfs mit einer Schätzung von je € 40.000-60.000 zum Aufruf. Letzterer ist mit fünf weiteren Arbeiten vertreten, darunter das Ölgemälde „Blick auf Ehringsdorf bei Weimar” (Taxe: € 30.000-40.000) und die Temperaarbeit „Anthurie” (Taxe: € 28.0000-34.000). Weitere wichtige Werke kommen von so bedeutenden Künstlern wie Willi Baumeister („Formen figural-dreiteilig”, Taxe: € 80.000-100.000), Paul Klee („Der Verliebte”, Taxe: € 22.000-26.000), Franz Marc („Zwei Rehe im Walde”, Taxe: € 30.000-50.000), Pablo Picasso („Grande Tte de Femme au Chapeau Orn”, Taxe: € 60.000-80.000), Pierre-Auguste Renoir („Le Chapeau Epingle”, Taxe: € 75.000-95.000) und Wols („Masque rouge”, Taxe: € 35.000-45.000).

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zu 2) NACH 1945/Zeitgenössische Kunst
An der Spitze steht hier Martin Kippenbergers dreiteiliges Ölgemälde „Kleiner Verkehr (Kreuzung Hauptstraße-Gerwigstraße, St. Georgen) - Nach Witzleben links - Capri Nr. 8”. Zwar nimmt der Künstler formal Bezug auf den Typus des Triptychons, doch auf inhaltlicher Ebene bricht er mit den dafür typischen Charakteristika. So spielt er beispielsweise mit den gewohnten Rezeptionsmechanismen des Betrachters, indem er keine der drei Szenen zum Zentrum des Werks erklärt. Lediglich die Verkehrsmotivik, das Unterwegssein, zu einem noch unbe-kannten Ziel, scheint die drei Teile miteinander zu verbinden. Auch Kippenberger selbst war Zeit seines Lebens ein Suchender und Getriebener. Auf der Flucht vor Konventionen und der Suche nach Inventionen und Anerkennung zieht er von Stadt zu Stadt. Somit ist diese außergewöhnliche Arbeit zugleich als beeindruckendes Psychogramm der rastlosen Künstlerpersönlichkeit lesbar.
Kippenberger
Kippenberger
Kippenberger

Martin Kippenberger
Kleiner Verkehr (Kreuzung Hauptstraße-Gerwigstraße, St. Georgen)-Nach Witzleben links-Capri Nr. 8
Öl auf Leinwand. 1981/82. Je 50 x 60 cm (19.6 x 23.6 in each)
Schätzpreis: € 250.000-350.000
Mit einer Schätzung von € 140.000-180.000 ist auch Günther Ueckers großformatige Nagelarbeit „Weißer Schrei” unter den Top-Losen dieser Abteilung. Man darf den Aufruf dieses Werks sowie auch zwei weiterer Arbeiten mit Taxen von € 50.0000-70.000 und € 60.0000-80.000 mit Spannung erwarten, denn bereits in der letzten Ketterer-Auktion erzielten zwei Werke des ZERO-Künstlers ausgezeichnete Ergebnisse mit Steigerungen von 81%* bzw. 115%*.

Für € 90.000-120.000 wird neben Johann Georg Müllers ölgemälde „Maskerade” auch Jörg Immendorffs Bronze „Affe mit Malerpalette” angeboten, wogegen sein „Adler von rechts drehend” vielleicht schon für € 50.000-70.000 zu haben sein könnte.

Deutsche Kunst steht hoch im Kurs, so auch die ölgemälde von Gerhard Richter. Sein 1993 entstandenes „Grün-Blau-Rot” zählt zu jenen entrückten Schöpfungen des Künstlers, in denen sich der verstandesmäßig konzipierte Farbauftrag durch die überarbeitung mit dem Rakel in einem scheinbar zufälligen Farbschleier verliert. Die Schätzung für diese eindrucksvolle Darstellung des Verborgenen liegt bei € 60.000-80.000. Gleiches gilt für seine 1988 entstandene Arbeit „11.2.88”.

Ebensoviel soll auch Hans Hartungs Acrylarbeit „T1965-R10” einspielen. Das 1965 entstandene Werk wirkt improvisiert, spontan hingeworfen, doch dieser vom Künstler durchaus beabsichtigte Eindruck täuscht. Seinen Werken geht eine lange Reihe von Skizzen und überlegungen voraus.

Mit der Dingwelt des Alltags setzt sich Markus Lüpertz in den späten 1960er Jahren auseinander. „Wäsche auf der Leine (Dithyrambisch)” ist eine Paradebeispiel für diesen Werkkomplex. Ein weißes Laken und zwei Holzpfähle erklärt der Künstler zu den Protagonisten dieser mit € 40.000-60.000 angesetzten Leimfarbe-Arbeit.

Den übergang von der Fläche zum Raum akzentuiert Stephan Balkenhol mit seiner Holzskulptur „Stehender Mann”. Seine Konstruktion einer Konsole, die an der Wand befestigt wird, betont die Verbindung mit der Architektur. So markieren seine Figuren unübersehbar den Ort an dem sie stehen und nehmen, ohne übergriffig zu sein, den Raum für sich ein. Die Taxe liegt bei € 40.000-60.000.

Weitere wichtige Künstler aus deutschen Landen sind in dieser Auktion u.a. Horst Antes, Fritz Koenig, Markus Lüpertz, Sigmar Polke und Neo Rauch. Internationale Kunst kommt mit Marino Marinis Relief „Cavallo” (Taxe: € 40.000-60.000) aus Italien. Während die USA u.a. von Keith Haring („Tree and Flower”, Taxe: € 28.000-38.000), Sol LeWitt (Portfolio: Grids and Colour, Taxe: € 30.000-50.000) und Julian Schnabel („Untitled-FF”, Taxe: € 30.000-40.000) repräsentiert werden, vertritt Anish Kapoor mit seinem „Shadow II” (Taxe: € 25.000-35.000) Indien.

Last but auf keinen Fall least sei Kazuo Shiraga erwähnt, der mit dem 1994 entstandenen ölgemälde „Yugi” besticht. Die Farbe bildet ein massives, teils Zentimeter dickes Reflief und verleiht dieser Arbeit jene einzigartige Haptik, welche allein die außergewöhnliche Art des Farbauftrags hervorzurufen vermag. Die Arbeiten Shiragas, der als Vorreiter eines japanischen Action Paintings gilt, sind aufgrund seiner körperbetonten Arbeitsweise, dem Farbauftrag mit den Füssen, als Happening zu beurteilen. Die Schätzung für dieses 145,2 x 112 cm große Werk liegt bei € 80.000-120.000.
Vorbesichtigung:
Ausgewählte Werke werden gezeigt:
07.-08. Nov.POST FINE ARTS Brombergstr. 17c79102 Freiburg
10. Nov.Galerie Anita Beckers Frankenallee 7460327 Frankfurt
12 Nov.F. G. Conzen Völklinger Str. 2440221 Düsseldorf
16.-17. Nov.Ketterer Kunst Am Meßberg 120095 Hamburg
19.-26. Nov.Ketterer Kunst Fasanenstr. 7010719 Berlin

Alle Werke werden gezeigt:
27. Nov.-03. Dez. Ketterer Kunst Joseph-Wild-Str. 1881829 München
Auktion:
4 Dez. 14 Uhr Moderne Kunst
im AnschlussNACH 1945/Zeitgenössische Kunst


* Die Prozentangabe bezieht sich auf das Verhältnis von Aufrufpreis (Mindestzuschlagspreis) zu Zuschlag.

Presseanfragen: Kundenanfragen:
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81829 München 81829 München
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