Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 140


140
Daniel Richter
Alles ohne Nichts, 2006/07.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 250.000
Ergebnis:
€ 500.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Alles ohne Nichts. 2006/07.
Öl auf Leinwand.
Rechts mittig signiert und datiert. 230 x 320 cm (90,5 x 125,9 in).

• Ausgestellt in zahlreichen namhaften, internationalen Museen, u.a. dem Louisiana Museum of Modern Art.
• Für Daniel Richter Fans "a painting to die for".
• Inszeniertes Schlussbild in seiner großen, längst vergriffenen Monografie "Die Palette"
.

PROVENIENZ: Contemporary Fine Arts Gallery, Berlin (verso auf dem Keilrahmen mit einem Etikett und mehreren Stempeln)).

AUSSTELLUNG: Daniel Richter - Die Palette, 1995-2007, Kunsthalle Hamburg 4.5.-8.6 2007, Gemeentemuseum Den Haag 10.11.2007-23.3.2008 und CAC Málaga Centro de Arte 11.4.-13.7.2008, Farbabb.S. 158-159.
Daniel Richter - Chromos goo bugly, Galerie im Taxispalais, Innsbruck 13.9.-23.11.2014 (Farbabb. S. 54-55).
Daniel Richter - Lonely Old Slogans, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, 8.9.2016-8.1.2017; 21er Haus, Wien, 3.2.2017-4.6.2017; Camden Arts Centre, London, Juni - September 2017, Farb Abb S. 18-19.



Daniel Richters Werke sind immer auch politisch konnotiert, auch wenn er selbst in Interviews diesen Aspekt immer wieder als ein allgemeines Interesse am sozialen Zusammensein zu relativieren versucht. Zudem reflektiert er in seinen Werken die Malereigeschichte hinsichtlich Motiven und Technik. Diese Auseinandersetzung ist nicht rein retrospektiv, sondern betrifft wie auch in unserem Werk "Alles ohne Nichts" ebenso das aktuelle Geschehen. Es ist eines seiner Hauptwerke aus der von wirklich vielen Sammlern sehr geschätzten "besten Zeit" 2004-2008.
In unserem großformatigen Gemälde, das anlässlich der Ausstellung "Daniel Richter - Lonely Old Slogans" im Jahr 2017 im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk/Dänemark und anschließend im Belvedere Wien und dem Camden Arts Center in London zu sehen war, bezieht er sich mit dem Hintergrund ausdrücklich auf Gerhard Richters Farbtafeln. 2007 wird das Kölner Domfenster Gerhard Richters enthüllt, zeitgleich entsteht Daniel Richters Arbeit „Alles ohne Nichts“, in der er diese Thematik aufgreift. Der Hintergrund erinnert sofort an die den Kölner Kirchenfenstern zugrunde liegenden Farbtafeln. Der Totentanz ohne Kostüm vor dem 1000-bunte-Farben-Motiv ist nach dem Gemälde "Ferbenlaare" (2005) die zweite Bezugnahme auf den von allen Kunstinvestoren gehypten Namensvetter Gerhard Richter. Neben diesen inhaltlichen Aspekten ist natürlich auch das "Formale" zu beachten: Daniel Richter bekennt sich in seinen Bildern ausdrücklich zu Farbe und Komposition. Beides ist relevant nicht nur in der optischen Wirkung, sondern auch in der Bildaussage. Spannungsreich wird der Kontrast zwischen serieller Reihung der Farbfelder im Hintergrund und den plakativ davorgestellten figürlichen Elementen von Vogel, Tod und engelsgleicher Figur inszeniert. In der Kombination mit der figürlichen Gestaltung im Vordergrund wird die Thematik der Kölner Domfenster offensichtlich. So inszeniert er diese Arbeit zum Schlussbild in seiner großen, längst vergriffenen Monografie „Die Palette 1995–2007".
Der "Engel" scheint wie in explosiver Zersplitterung im Moment der Berührung des Todes auseinanderzufliegen. Die Darstellung bietet ein breites Spektrum an möglichen Interpretationen, die letztlich auf das klassische Künstlerthema der "Vanitas" zusammenlaufen. Nicht ohne Witz lässt Daniel Richter die mit vielerlei Symbolik belegte Figur des Knochenmanns auf die leuchtend blaue, engelsgleiche, gefiederte Figur auf einem Sockel springen. Sein Attribut des Stundenglases muss ein schwarzer Vogel dem Tod nachtragen. Besonders schön zeigt sich in diesem Gemälde nicht nur der souveräne Umgang mit ausdrucksstarken Farben und Formen, sondern auch die für Daniel Richter typische Art, eine gewählte Thematik auf einen extremen Höhepunkt zu treiben. „Und auf dem Höhepunkt balancierend, dem Grat, der das eben noch Erträgliche vom Überdrehten trennt, findet sich dann ganz selbstverständlich irgendwo ein Ventil, aus dem zischend der Druck entweichen kann – und ein kleiner, blöder Vogel sagt: ‚Dies ist doch nur ein Bild – tiefgefrorene Zeit‘" (Christoph Heinrich, in: Ausst.-Kat. Hamburg 2007 u.a.O., S. 16)



140
Daniel Richter
Alles ohne Nichts, 2006/07.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 250.000
Ergebnis:
€ 500.000

(inkl. Käuferaufgeld)