245
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Eigenhändiger Brief, 1828.
Schätzpreis: € 1.000
245
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Eigenhändiger Brief, 1828.
Schätzpreis: € 1.000
Friedrich Schleiermacher
Theologe, Philosoph und Staatstheoretiker, 1768-1834. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Berlin, 22. Okt. 1828. 2 S. 25,5 : 21 cm.
Inhaltlich herausragender, politisch bedeutsamer Brief Schleiermachers über den Verfall des preußischen Adels, die „Krautjunker“ und die Feigheit akademischer Institutionen. Geschrieben unmittelbar nach seiner Rückkehr von seiner einzigen Englandreise.
An den ungenannten Kieler Historiker und Professor Franz Hermann Hegewisch (1783-1865). Dieser hatte Schleiermacher den ehrgeizigen Vorschlag unterbreitet, die Preußische Akademie der Wissenschaften möge eine Preisfrage über das Verhältnis von Adel und Staat ausschreiben - ein im restaurativen Preußen der 1820er Jahre brisantes Thema.
Zu Beginn des Briefes entschuldigt sich Schleiermacher für seine späte Antwort und liefert ein schönes biographisches Detail, seine erst kürzlich beendete, einzige Reise nach England (September 1828):
"Leider mein Verehrtester habe ich mich mit Ihrem Briefe auf eine unangenehme Weise gekreuzt; er ist an demselben Tage aus Kiel abgegangen an welchem ich von hier abging um mich ein wenig in London umzusehen, und so habe ich ihn erst jetzt bei meiner Rükkunft vorgefunden."
Anschließend wendet sich Schleiermacher der eigentlichen, politischen Frage zu. Er teilt Hegewischs kritische Haltung gegenüber den Privilegien des Adels voll und ganz, schildert die Situation in Preußen ungeschönt und verweist auf eigene, frühere ministerielle Gutachten:
"Die Sache betreffend bin ich schon lange Ihrer Meinung .. Es ist zwar besonders in unserm Staat factisch, daß Adel und Rittergut nicht mehr zusammen gehören, und Adel und Officiers auch nicht; ganz offenbar daß der Adel selbst in den tiefsten Verfall kommen muß wenn alles auf dem bisherigen Fuß bleibt; aber wann sehen die Menschen ihr Bestes ein wenn es auf solchem Wege liegt?"
Mit scharfem Blick für die Realpolitik und einer gewissen Desillusionierung gegenüber dem Mut der Akademie lehnt er es ab, die Preisfrage offiziell durch die Institution einbringen zu lassen. Er rät Hegewisch stattdessen, als Privatmann ein Preisgeld auszusetzen. Über die Akademie urteilt er erfrischend ungeschminkt:
"Soll die Darstellung wahrhaft seyn und zugleich die Schlechtigkeit des bei uns herrschenden Systems dargestellt werden so ist bei einer in der Regel furchtsamen litterarischen Corporation schwerlich zu erwarten daß sie sich durch eine Preiszuertheilung gegen unsern Adel erklären werde."
Den krönenden Abschluß des Briefes bildet Schleiermachers feine soziologische Analyse des preußischen Adels. Mit spitzer Feder unterscheidet er zwischen dem etablierten Hochadel, mit dem man reden könne, und dem niederen Briefadel, den sogenannten "Krautjunkern", die eine Reform blockieren würden:
"Bei uns wollte ich vielleicht mit dem größten Theil unserer altgräffl. Familien fertig werden; denn ein Dönhoff, ein Dohna, Hagen, Schwerin, gelten doch auch ohne weitern Titel; aber die Krautjunker und die Lieutenants wo ein von vor einem ordinairen bürgerlichen Namen steht, an denen würde immer die Sache scheitern."
- PROVENIENZ: Aus norddeutschem Privatbesitz.
Autograph letter signed, to the Kiel historian and professor Franz Hermann Hegewisch. Of outstanding substance and political significance on the decline of the Prussian nobility. Written immediately after his return from his only trip to England. 2 pp. 25,5 : 21 cm.
Theologe, Philosoph und Staatstheoretiker, 1768-1834. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Berlin, 22. Okt. 1828. 2 S. 25,5 : 21 cm.
Inhaltlich herausragender, politisch bedeutsamer Brief Schleiermachers über den Verfall des preußischen Adels, die „Krautjunker“ und die Feigheit akademischer Institutionen. Geschrieben unmittelbar nach seiner Rückkehr von seiner einzigen Englandreise.
An den ungenannten Kieler Historiker und Professor Franz Hermann Hegewisch (1783-1865). Dieser hatte Schleiermacher den ehrgeizigen Vorschlag unterbreitet, die Preußische Akademie der Wissenschaften möge eine Preisfrage über das Verhältnis von Adel und Staat ausschreiben - ein im restaurativen Preußen der 1820er Jahre brisantes Thema.
Zu Beginn des Briefes entschuldigt sich Schleiermacher für seine späte Antwort und liefert ein schönes biographisches Detail, seine erst kürzlich beendete, einzige Reise nach England (September 1828):
"Leider mein Verehrtester habe ich mich mit Ihrem Briefe auf eine unangenehme Weise gekreuzt; er ist an demselben Tage aus Kiel abgegangen an welchem ich von hier abging um mich ein wenig in London umzusehen, und so habe ich ihn erst jetzt bei meiner Rükkunft vorgefunden."
Anschließend wendet sich Schleiermacher der eigentlichen, politischen Frage zu. Er teilt Hegewischs kritische Haltung gegenüber den Privilegien des Adels voll und ganz, schildert die Situation in Preußen ungeschönt und verweist auf eigene, frühere ministerielle Gutachten:
"Die Sache betreffend bin ich schon lange Ihrer Meinung .. Es ist zwar besonders in unserm Staat factisch, daß Adel und Rittergut nicht mehr zusammen gehören, und Adel und Officiers auch nicht; ganz offenbar daß der Adel selbst in den tiefsten Verfall kommen muß wenn alles auf dem bisherigen Fuß bleibt; aber wann sehen die Menschen ihr Bestes ein wenn es auf solchem Wege liegt?"
Mit scharfem Blick für die Realpolitik und einer gewissen Desillusionierung gegenüber dem Mut der Akademie lehnt er es ab, die Preisfrage offiziell durch die Institution einbringen zu lassen. Er rät Hegewisch stattdessen, als Privatmann ein Preisgeld auszusetzen. Über die Akademie urteilt er erfrischend ungeschminkt:
"Soll die Darstellung wahrhaft seyn und zugleich die Schlechtigkeit des bei uns herrschenden Systems dargestellt werden so ist bei einer in der Regel furchtsamen litterarischen Corporation schwerlich zu erwarten daß sie sich durch eine Preiszuertheilung gegen unsern Adel erklären werde."
Den krönenden Abschluß des Briefes bildet Schleiermachers feine soziologische Analyse des preußischen Adels. Mit spitzer Feder unterscheidet er zwischen dem etablierten Hochadel, mit dem man reden könne, und dem niederen Briefadel, den sogenannten "Krautjunkern", die eine Reform blockieren würden:
"Bei uns wollte ich vielleicht mit dem größten Theil unserer altgräffl. Familien fertig werden; denn ein Dönhoff, ein Dohna, Hagen, Schwerin, gelten doch auch ohne weitern Titel; aber die Krautjunker und die Lieutenants wo ein von vor einem ordinairen bürgerlichen Namen steht, an denen würde immer die Sache scheitern."
- PROVENIENZ: Aus norddeutschem Privatbesitz.
Autograph letter signed, to the Kiel historian and professor Franz Hermann Hegewisch. Of outstanding substance and political significance on the decline of the Prussian nobility. Written immediately after his return from his only trip to England. 2 pp. 25,5 : 21 cm.
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Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer von 19 % erhoben.
Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.
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