Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126001149
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126001149
Günther Uecker
Schrei, 1990.
Nägel und weiße Farbe auf Leinwand, auf Holz
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001149
Günther Uecker
Schrei, 1990.
Nägel und weiße Farbe auf Leinwand, auf Holz
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Günther Uecker
1930 - 2025
Schrei. 1990.
Nägel und weiße Farbe auf Leinwand, auf Holz.
Verso signiert, datiert, betitelt und mit Richtungspfeil. 60 x 60 x 7,5 cm (23,6 x 23,6 x 2,9 in). [JS].
• PROGRAMMATISCH "Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich. [..] Zero ist weiss" (aus dem "ZERO"-Manifest).
• "SCHREI" – gerade die "Spiralen" und "Kreise" offenbaren Ueckers existenzielle Vorstellung des ewigen Kreislaufes von Werden und Vergehen.
• POESIE & HÄRTE Faszinierende Verbindung der Gegensätze in einem sinnlichen Energiefeld.
• NAGEL als Träger intensiven geistigen Ausdrucks:"Wo die Sprache versagt, da beginnt das Bild" (Uecker).
• MUSEAL Ueckers Nagelbilder befinden sich u. a. in der Tate London, dem Guggenheim Museum, New York, dem Hamburger Bahnhof, Berlin, und dem Centre Pompidou, Paris.
Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.90.015 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.
PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (2016 vom Vorgenannten durch Erbschaft).
1930 - 2025
Schrei. 1990.
Nägel und weiße Farbe auf Leinwand, auf Holz.
Verso signiert, datiert, betitelt und mit Richtungspfeil. 60 x 60 x 7,5 cm (23,6 x 23,6 x 2,9 in). [JS].
• PROGRAMMATISCH "Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich. [..] Zero ist weiss" (aus dem "ZERO"-Manifest).
• "SCHREI" – gerade die "Spiralen" und "Kreise" offenbaren Ueckers existenzielle Vorstellung des ewigen Kreislaufes von Werden und Vergehen.
• POESIE & HÄRTE Faszinierende Verbindung der Gegensätze in einem sinnlichen Energiefeld.
• NAGEL als Träger intensiven geistigen Ausdrucks:"Wo die Sprache versagt, da beginnt das Bild" (Uecker).
• MUSEAL Ueckers Nagelbilder befinden sich u. a. in der Tate London, dem Guggenheim Museum, New York, dem Hamburger Bahnhof, Berlin, und dem Centre Pompidou, Paris.
Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.90.015 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.
PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (2016 vom Vorgenannten durch Erbschaft).
Neben Ueckers berühmten "Feldern" zählen auch seine "Kreise" oder "Spiralen", aus welchen er auch die vorliegende Komposition mit dem kunsthistorisch bedeutsamen Titel "Schrei" entwickelt hat, zu den zentralen, lebenslang variierten und weiterentwickelten Werkkomplexen des international gefeierten "ZERO"-Künstlers. Ueckers existenzielle Vorstellung des ewigen Kreislaufes aus Werden und Vergehen ist tief im Zen-Buddismus verwurzelt und findet auf besondere Weise in seinen Kreisformen wie der "Sandmühle" oder seinen aus der Kreisform entwickelten Nagelbilden Ausdruck. Mit Edvard Munch verbindet Günther Uecker das tiefe Gefühl der Einheit von Mensch und Natur, für welches Ueckers Kindheit auf der Halbinsel Wustrow prägend ist. Uecker aber findet zu einem radikal neuartigen künstlerischen Ausdruck, er hat ganz im Sinne der "ZERO"-Bewegung die Malerei mit seinen Nagelbildern neu erfunden, sie von der bis dahin prägenden Bedeutung des malerischen Duktus als künstlerischer Handschrift befreit. Seit den 1960er Jahren breitet Uecker, der den Nagel zu seinem unverwechselbaren künstlerischen Ausdrucksmittel erklärt und ihm erstmals eine geistig-poetische Dimension verliehen hat, anfänglich noch in kleinem, dann auch in zunehmend größerem Format ein dichtes Nagelgefüge in wirbelartiger Bewegung über die Leinwand aus. Seit den 1980er Jahren verwendet Uecker größere Nägel, mit langen Nagelhälsen, die er noch kraftvoller auf den Bildträger setzt und die nun zunehmend in stärker ausgreifenden Bewegungen den Bildraum strukturieren und die malerisch akzentuierte Fläche in die dritte Dimension erweitern. Auch lässt er die wogenden Nagelhälse nun teils ungefasst in ihrer metallischen Oberfläche stehen und bezieht auf diese Weise einen stärkeren Farb- und Materialkontrast in seine Kompositionen mit ein, der durch die wechselvolle Licht-Schatten-Wirkung noch verstärkt und verlebendigt wird. In Ueckers Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre tritt die Wucht und individuelle Dynamik ihres Entstehungsprozesses unmittelbarer als in den formal reduzierten Kompositionen der 1960er Jahre zutage. Muss sich der einzelne Nagel im Frühwerk in seiner genauen Ausrichtung noch stärker in die strenge Gesamtchoreografie der Nagelhälse einfügen, so erscheint er nun zunehmend emanzipiert, geht deutliche Gegenbewegungen und spannungsreiche Konfrontationen ein. Ueckers einzigartige künstlerische Schöpfungen rufen Erinnerungen an Landschaftseindrücke wach. Seine Felder und Spiralen erinnern an vom Sturm gezeichnete Getreide- oder Dünenlandschaften, und damit an kraftvolle Natureindrücke, wie sie für Ueckers Kindheit auf der Halbinsel Wustrow prägend waren. Zentral ist für ihn der Gedanke der menschlichen Demut vor der Erhabenheit der Natur. Uecker ist es auf einzigartige Weise gelungen, nicht nur der Härte des Nagels eine poetische Dimension abzuringen, sondern darüber hinaus auch die Erhabenheit der Natur in eine ebenso erhabene, auratische Bildsprache zu transformieren. Das anonyme, industrielle Produkt des Nagels wird bei Uecker zum Träger intensiven geistigen Ausdrucks, bis heute ein künstlerisches Paradoxon, das für die einzigartige Aura von Ueckers stillen und zugleich doch überwältigenden Schöpfungen verantwortlich ist. [JS]
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