Auktion: 525 / Evening Sale am 10.12.2021 in München Lot 121000093

 
121000093
Paul Klee
Landschaft B. L., 1931.
Aquarell (mit Ei gelöst) über Kreidegrundierung...
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
+
Objektbeschreibung
Landschaft B. L. 1931.
Aquarell (mit Ei gelöst) über Kreidegrundierung auf Papier, auf Karton.
Klee 5575. Links oben schwer leserlich signiert. 21 x 33,5 cm (8,2 x 13,1 in).
Richard Doetsch-Benziger erwarb dieses Blatt wohl als Mitglied der Klee-Gesellschaft. Ab einem bestimmten jährlichen Beitrag erhielten die Mitglieder Arbeiten aus seinem Atelier zu Sonderkonditionen.
• Zauberhafte Landschaft von gemäldehafter Wirkung.
• Von außergewöhnlicher Farbkraft.
• Expressive Komposition mit metaphysisch-verträumter erzählerischer Ebene.
• Seit seiner Entstehung immer wieder für internationale Ausstellungen angefragt
.

PROVENIENZ: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, Basel (wohl ab 1933 bis 1958, auf dem Karton mit dem handschriftlich bezeichneten Sammleretikett).
Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione d'Italia.
Privatsammlung Turin.
Privatsammlung Italien (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Moderne deutsche Malerei aus Privatbesitz, Kunsthalle Basel, 7.-29.10.1933, Kat.-Nr. 101.
Paul Klee. Tafelbilder und Aquarelle aus Privatbesitz, Galerie d'Art Moderne Marie-Suzanne Feigel, Basel, September bis Oktober 1949, Kat.-Nr. 38.
Sammlung Richard Doetsch-Benziger. Malerei, Zeichnung und Plastik, Kunstmuseum Basel, 9.6.-8.7.1956, Kat.-Nr. 188 (mit Abb.).
L'Occhio del collezionista oltr'Alpe, Galleria d'Arte Narciso, Turin, 25.1.-28.2.1979, Kat.-Nr. 22 (mit Abb.).
Florence Henri. Aspetti di un percorso 1910-1940, Banco di Chiavari e della Riviera Ligure, Genova, 23.4.-23.5.1979, Kat.-Nr. 97, Farbabb. o. S.
Garten der Lüste - Zwei zeitgenössische Maler und einige ihrer Vorlaufer. Baruchello, Fahlstrom, Wols, Klee, Duchamp, Museo d'Arte Moderna, Bozen, 1998, Kat.-Nr. 7 (mit Farbabb.).

LITERATUR: Margrit Bosshard-Rebmann, Paul Klee. Sammlung Richard Doetsch-Benziger, Basel 1953, Kat.-Nr. 51.
Stuttgarter Kunstkabinett, Stuttgart, 35. Auktion, Moderne Kunst, 1. Teil, 20.5.1960, Los-Nr. 292 (mit ganzseitiger Farbabb., Tafel 48, auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
R. N. Ketterer, Moderne Kunst III, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Campione d'Italia 1966, Kat.-Nr. 107 (mit Farbabb.).

Essay
Paul Klee löst am 1. April 1931 seinen Vertrag mit dem Bauhaus in Dessau und nimmt eine Berufung an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf an. Der damalige Direktor der Akademie, Walter Kaesbach, ist sehr daran interessiert, die Persönlichkeit des Künstlers für die Studenten und das Kunstleben der Stadt zu gewinnen.
Zu seiner Begrüßung im Sommer 1931 zeigt der dortige Kunstverein eine große Ausstellung mit 252 Arbeiten. In Düsseldorf unterrichten auch Heinrich Campendonk, Oskar Moll und die Bildhauer Alexander Zschokke und Ewald Mataré. „Wenn es in Düsseldorf auch nicht lauter Genies gibt, wie in Dessau, schreibt Klee an seine Frau Lily am 21. November 1931, „so spürt man doch die künstlerische Durchtränkung und fühlt sich zu Hause. Auch konservative Geister setzen sich mit dem Fortschritt auseinander, sie sind zum Teil ehrlicher als die Modernisten und darum zum Teil interessant."
Im Oktober nimmt er seinen Unterricht in Düsseldorf mit einem Kurs über Maltechnik auf. Neben seinem geräumigen Atelier in der Akademie mietet er sich ein Zimmer in Düsseldorf und behält seine Dessauer Wohnung bis März 1933. Schon vor der Berufung Klees nach Düsseldorf zeichnen sich die bedrohlich werdenden wirtschaftlichen und politischen Veränderungen ab, die Deutschland in die Diktatur der Nationalsozialisten führen sollten. Die neuen Machthaber, am 30. Januar 1933 wird Hitler zum Reichskanzler gewählt, beginnen umgehend den Handel mit moderner Kunst zu unterbinden und zwingen viele Künstler und Kunsthändler in die Emigration. Im März veranlassen die Nationalsozialisten eine Hausdurchsuchung in Klees Dessauer Wohnung; Klee flüchtet daraufhin vorübergehend in die Schweiz. Im April, noch vor seinem Umzug von Dessau nach Düsseldorf, wird Klee von seinem Lehramt beurlaubt, seine Entlassung erfolgt im Herbst. Klee übersiedelt noch im Dezember 1933 auf Drängen seiner Frau Lily nach Bern in die Schweiz.
Keine andere Periode in Klees Schaffen zeigt eine vergleichbare Heterogenität im künstlerischen Ausdruck wie die Werke, die zwischen 1931 und 1933 in den beiden Düsseldorfer, respektive noch Weimarer Jahren entstehen. Dies hat auch mit den äußeren Umständen zu tun, denn Klee unterhält an beiden Orten, in denen er sich abwechselnd zwei Wochen aufhält, ein Atelier, in denen er einen unterschiedlichen Stil pflegt: In Düsseldorf arbeitet er intensiv an den Bildern mit pointillistischem Farbauftrag. Eine damit zusammenhängende Bildidee hatte er bereits während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus in den Quadratbildern entwickelt. Ausgehend von den Quadratbildern der 1920er Jahre verkleinert Klee ab 1931 zunehmend die Größe der Quadrate und reduziert sie auf ein rasterähnliches Punktsystem. Diesen divisionistischen Farbauftrag bezeichnete er selbst als „sogenanntes Pointilieren“. Hierzu verwendet er kleine Stempel, die er aus Nagelköpfen herstellt. In Weimar hingegen pflegt der Künstler das eher ‚kleine‘ Format und gibt sich seinen bildnerischen Fantasien hin. Dabei ist Klee zu vielschichtig, als dass er zu irgendeiner Zeit nur in diese oder jene Richtung wirkt. So entstehen nebeneinander singuläre Arbeiten, wie diese farbprächtige, frei mit dem Pinsel ausgeführte „Landschaft B L.“ Ausgehend von der von Klee vorgenommenen, jahresweiten Nummerierung, hier 170 von rund 300 Arbeiten für das Jahr 1931, wird diese Landschaft etwa Mitte des Jahres entstanden sein, vielleicht sogar auf seiner Reise in den Ferien, wie so häufig nach dem Süden.
1931 bereist Klee Sizilien, hält sich auf in Syrakus, Ragusa, Agrigent, Palermo und Monreale. Klee durchstreift die Insel, sucht nach landschaftlichen Schönheiten und nach Fundstätten, die Antikes, Normannisches und Sarazenisches oft über Jahrhunderte wie selbstverständlich großzügig vereinen. Und so könnte Klee auch die Region um Licata in der Provinz Agrigent im Süden der Insel bereist haben, es könnte also eine Landschaft bei Butera gewesen sein, die den Künstler zu dieser surrealen Vision aufmuntert: B und L, eingeschrieben in zwei schwarz umrandete weiße Flächen, prominent wie ein Monogramm in die Komposition gesetzt? Sind sie doch umgeben von Zeichen für Bäume und Pflanzen, gesäumte Flächen von sonnenverbrannter Landschaft, umspült von blauem Meerwasser, die odysseische Antike ausatmend. [MvL]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Paul Klee "Landschaft B. L."
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.