Auktion: 527 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 11.06.2022 in München Lot 301

 

301
Carl Spitzweg
Der Alchimist (Chemicus), Ende 1840.
Öl auf Papier, kaschiert auf Karton
Schätzpreis: € 12.000 - 15.000
+
Der Alchimist (Chemicus). Ende 1840er Jahre.
Öl auf Papier, kaschiert auf Karton.
14,8 x 19,5 cm (5,8 x 7,6 in).

Wir danken Herrn Detlef Rosenberger, der das Werk im Original begutachtet hat, für die freundliche Auskunft. Das Werk wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.

PROVENIENZ: Privatsammlung Österreich.

Aufrufzeit: 11.06.2022 - ca. 15.01 h +/- 20 Min.

Im Werk Spitzwegs kann man sich immer wieder von neuen Figuren überraschen und verzaubern lassen, die Sonderlingsstatus beanspruchen oder sich ganz ihrer eigenen Passion verschrieben haben. Spitzweg liefert Analysen menschlichen Verhaltens, die dank seiner feingeistigen Beobachtungsgabe und als facettenreicher, tiefsinniger Kommentar zur Conditio humana weit über die Genremalerei hinausführen, für die seine Werke oftmals gehalten werden. Eine besondere Gruppe seiner Figuren ist dabei die der Naturforscher, so gibt es den Mineralogen, den Schmetterlingsforscher, den Botaniker, den Kaktusfreund, den Astronomen und auch den Chemiker.
Spitzweg selbst ist von diesem beobachtenden, neugierigen und forschenden Geist durchdrungen. Zurück reicht dieses Interesse sicherlich auch auf seine ursprüngliche berufliche Ausrichtung. Er schlägt zunächst die Laufbahn des Apothekers mit einer Ausbildung an der königlichen Hofapotheke ein, begleitet von einem Studium, das mit der Zeit verschiedene naturwissenschaftliche Fächer miteinschließt. Botanik, Zoologie, Chemie und Physik markieren sein Curriculum, das er 1832 mit Auszeichnung abschließt. Genaue Beobachtung und Analyse bedingen auch sein künstlerisches Schaffen. Hier beobachten wir den Chemiker, wohl ein Laie oder Dilettant im Hausmantel in seiner Kellerstube, wartend auf das Resultat seines Versuchsaufbaus. Die Szene ist dabei aufs Wesentlichste reduziert. Die malerische Ausführung konzentriert sich auf den interessierten Blick des Chemikers auf seine Destillierblase, die Spitzweg in meisterlicher Manier transparent und mit der Spiegelung der Fenster wiedergibt. Der weitere Raum rückt in seiner Unschärfe aus dem erzählerischen Fokus. Eindeutig fasziniert ist Spitzweg von dem Instrument der Destillierblase, die in einer weiteren Version des Motivs (Staatsgalerie Stuttgart) an einen Destillierofen angeschlossen ist. Spitzweg zeigt mit diesen altmodisch erscheinenden Instrumenten nicht die moderne Chemie, sondern verweist eher auf ihre unwissenschaftliche Vorgängerin, die Alchimie, deren oberstem Ziel – die Suche nach dem Stein der Weisen – dennoch die Erfindung solcher Werkzeuge zuzuschreiben ist. Von dem Chemikus oder Alchimisten existieren weitere Versionen in unterschiedlicher Ausführung und Anordnung, wobei die Wiederholung seiner Motive für Spitzweg gleichermaßen wie ein Experiment oder eine Versuchsanordnung erscheint. Sein Interesse für diese Disziplin entstammt sicherlich auch seiner Studienzeit, zudem war die Chemie im 19. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Wissenschaften aufgestiegen. Vor allem die Synthetisierung neuer Farbstoffe, die in Industrie und Malerei die Paletten bereichern, dürfte Spitzweg nicht entgangen sein. Eine Kenntnis über den chemischen Ursprung der Farben wie bspw. seines geliebten Coelinblau, einer chemischen Reaktion durch Erhitzen des Minerals Kobalt, darf sicherlich angenommen werden. Berührend ist immer der Grad an Dilettantismus, der Spitzwegs Forscher antreibt, haben sie sich doch alle ihrer außerprofessionellen Leidenschaft verschrieben. Dies gilt auch für Spitzweg, den malerischen Autodidakten, dessen facettenreiches Œuvre ihn als unglaublich vielseitig interessierten Menschen, als Künstler und Forschenden zwischen Wissenschaft, Kunst, Musik, Theater, Literatur und Natur auszeichnet, der die Welt mit neugierig geweiteten und meist amüsierten Augen betrachtet. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Carl Spitzweg "Der Alchimist (Chemicus)"
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Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.