126000161
Roy Lichtenstein
Puzzle Portrait (Study), 1978.
Bleistift- und Buntstiftzeichnung
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000161
Roy Lichtenstein
Puzzle Portrait (Study), 1978.
Bleistift- und Buntstiftzeichnung
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Roy Lichtenstein
1923 - 1997

Puzzle Portrait (Study). 1978.
Bleistift- und Buntstiftzeichnung.
Verso datiert. Auf Bütten von Arches (mit Wasserzeichen). 11,3 x 9,5 cm (4,4 x 3,7 in). Papier: 32,1 x 19,7 cm (12,6 x 7,7 in).
Aus dem Skizzenbuch des Künstlers "NY Central Marbled Sketchbook" (um 1977-78). Studie zum Werk "Puzzle Portrait", 1978 (RLCR 2759).

• Seltene Arbeit aus der Phase höchster konzeptueller Verdichtung.
• Bedeutende Vorstudie zum Gemälde "Puzzle Portrait" (1978).
• Puzzle der Schönheit: Lichtenstein interpretiert seine ikonische blonde Heldin in der Bildsprache des Kubismus und Surrealismus neu.
• Museale Provenienz: Fast ein Jahrzehnt als Leihgabe im Museum of Modern Art, New York (1985–1994)
.

Die Arbeit ist unter der Nummer "RL 2630" bei der Roy Lichtenstein Foundation, New York, verzeichnet.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (auf der Rahmenrückpappe mit dem Etikett).
James Goodman Gallery, New York (auf der Rahmenrückpappe mit dem Etikett).
Privatsammlung USA (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Museum of Modern Art, New York (Leihgabe 1985-1994, aus dem Besitz des Künstlers).
Roy Lichtenstein. Conversations with Surrealism, Mitchell-Innes & Nash, New York, 19.9.-12.11.2005, Kat.-Nr. 37 (m. Farbabb.).

LITERATUR: Andrea Theil, Puzzle Portrait (Study), 1978 (RLCR 2758), in: Roy Lichtenstein. A Catalogue Raisonné, Roy Lichtenstein Foundation, New York, www.lichtensteincatalogue.org/catalogue/entry.php?id=2831 (aufgerufen am 25. März 2026).

Roy Lichtenstein zählt sowohl mit seinen von Comics inspirierten Gemälden als auch mit seinen späteren kunsthistorischen Dialogen zu den prägenden Figuren der amerikanischen Pop-Art. In den frühen 1960er Jahren erlangt er internationale Anerkennung, indem er sich die überzeichnete Bildsprache von Comicstrips und kommerzieller Werbung aneignet und die Ästhetik des amerikanischen Alltags in einen neuartigen Kontext der Hochkunst überführt. Seit den 1970er Jahren richtet sich sein Interesse zunehmend auf eine selbstreflexive Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte. Im Dialog mit zentralen Strömungen der Moderne wie Kubismus, Surrealismus, Futurismus und deutschem Expressionismus entwickelt er ein eigenständiges, von Ironie getragenes visuelles Vokabular, das tradierte Bildsprachen aufgreift und in eine neue visuelle Ordnung überführt. Im Zentrum steht dabei die Frage nach den etablierten Bedeutungen von Kunst und deren Neuformulierung innerhalb eines veränderten Kontextes. Dies zeigt sich sowohl in Transformationen kanonischer Werke wie "Still Life with Goldfish" (1972) nach Henri Matisses "Les poissons rouges" von 1912 als auch in reflektierenden Kommentaren zum Abstrakten Expressionismus, etwa in der Serie "Brushstrokes" (1965), die auf Jackson Pollock Bezug nimmt. Die 1978 entstandene Arbeit "Puzzle Portrait (Study)" ist dieser Phase besonderer künstlerischer und intellektueller Konzentration zuzuordnen. Verwurzelt in kubistischen und surrealistischen Traditionen dekonstruiert Lichtenstein hier seine ikonische blonde Heldin und überführt sie in einen statischen Raum, in dem fragmentierte Gesichtszüge, Spiegelungen und Schatten als autonome Elemente auf der Bildfläche erscheinen. Im Gegensatz zum gestischen Pinselduktus der Abstrakten Expressionisten, auf den er zugleich Bezug nimmt und reagiert, arbeitet der Künstler mit kalkulierter, nahezu mechanischer Präzision. Markante Konturen, strenge Linien und rhythmische Farbflächen fügen sich zu einer bewusst dislozierten und zugleich schlüssigen Bildordnung.
Die Komposition erinnert an Picassos multiperspektivische Frauenporträts, bleibt jedoch in ihrer grafischen Klarheit und feinsinnigen Ironie unverkennbar eigenständig. Als vorbereitende Studie zu dem im selben Jahr entstandenen Gemälde "Puzzle Portrait" (1978) gewährt das vorliegende Werk einen unmittelbaren Einblick in Lichtensteins kompositorisches Denken. Wie der Künstler bereits 1967 bemerkt: "I don't draw a picture in order to reproduce it. I do it in order to recompose it." (Roy Lichtenstein, zit. nach: Ausst.-Kat. Pasadena Art Museum, San Diego 1967). Analytisch und lyrisch zugleich, diszipliniert und surreal, erfasst diese Zeichnung das Bild im Spannungsfeld zwischen Konzeption und Auflösung und eröffnet einen intimen Einblick in den Arbeitsprozess eines Künstlers auf dem Höhepunkt seines Schaffens. [KA]





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