126000521
Wassily Kandinsky
Sachte, 1929.
Aquarell und Gouache auf Papier, original auf K...
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000521
Wassily Kandinsky
Sachte, 1929.
Aquarell und Gouache auf Papier, original auf K...
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Wassily Kandinsky
1866 - 1944

Sachte. 1929.
Aquarell und Gouache auf Papier, original auf Karton kaschiert.
Links unten monogrammiert und datiert. Verso monogrammiert und bezeichnet "No 340 / 1929 / 'Sachte'". 26,4 x 40,1 cm (10,3 x 15,7 in). Original Unterlagekarton: 38,5 x 52,5 cm (15,2 x 20,7 in).
In der Handliste des Künstlers ist die Arbeit unter den Aquarellen für März 1929 verzeichnet "iii 1929, 340, Sachte". [JS].

• Die wichtigen Bauhaus-Jahre: Kandinskys streng geometrischen Kompositionen der 1920er Jahre gelten als Höhepunkte seines Schaffens.
• "Punkt und Linie zu Fläche" (1926): "Sachte" (1929) visualisiert beispielhaft Kandinskys berühmte abstrakte Kunsttheorie.
• Klänge sehen: In der Art einer gemalten Partitur realisiert "Sachte" auf herausragende Weise Kandinskys Ziel Stimmungen und Tonalitäten optisch erlebbar zu machen.
• Seit fast 60 Jahren Teil einer deutschen Privatsammlung.
• Museale Qualität: Aquarelle dieser Schaffenszeit befinden sich in den wichtigsten Sammlungen weltweit, u. a. im Museum of Modern Art und im Guggenheim Museum, New York, sowie im Centre Pompidou, Paris
.

PROVENIENZ: Rudolf Probst, Mannheim (laut Vermerk in der Handliste des Künstlers, wohl in Kommission).
Sammlung Nina Kandinsky, Paris.
Karl Flinker, Paris (1962).
Heinz Berggruen, Paris (1962).
Roman Norbert Ketterer, Campione d`Italia (1968).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1968 vom Vorgenannten).
Seither in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Wassily Kandinsky, Novemberausstellung, Kunsthaus Zürich, 5.11.-9.12.1931, Nr. 69.
Wassily Kandinsky. Ausstellung mit Werken von 1918 bis 1933, Galerie Otto Stangl, 25.7.-4.9.1962 (m. Abb., o. S.).

LITERATUR: Vivian Endicott Barnett, Kandinsky. Werkverzeichnis der Aquarelle, Bd. 2: 1922-1944, München 1994, WVZ-Nr. 931 (m. SW-Abb.).
- -
Roman Norbert Ketterer, Moderne Kunst V, Campione d'Italia, 1968, Nr. 63.

"Die Musik, die schon seit Jahrhunderten die Kunst ist, welche ihre Mittel nicht zur Darstellung der Erscheinungen der Natur verwendet, sondern zur Äußerung der seelischen Lebens des Künstlers und zur Schöpfung eines eigentümlichen Lebens der musikalischen Töne, ist heute die am meisten beneidete Lehrmeisterin der Malerei.“
Wassily Kandninsky: Über das Geistige in der Kunst, München 1912, S. 41.

Als Wassily Kandinskys Schlüsselmoment auf seinem heute weltberühmten Weg zur abstrakten Malerei gilt im Januar 1911 der Besuch eines Konzertes von Arnold Schönberg, des berühmten Vertreters der freien Atonalität, im Münchener Jahreszeitensaal. Auf dem Programm stehen zwei Kompositionen des experimentellen österreichischen Komponisten. Kandinsky besucht das Konzert gemeinsam mit seinem jungen Künstlerkollegen Franz Marc, mit dem er noch im gleichen Jahr aus der neuen Künstlervereinigung München austreten und die legendäre expressionistische Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ ins Leben rufen sollte. Auch Franz Marc ist heute ein internationaler Mythos, gleichfalls außerordentlich begabt und ebenso wie Kandinsky von einem visionären Geist durchdrungen, gelingt auch ihm in den wenigen Jahren bis zu seinem frühen Tod im Ersten Weltkrieg ein kunsthistorisch gewaltiges Werk. Ganz im Gegensatz zu Kandinsky aber sollte und wollte Marc, dessen weltberühmte blaue Pferde heute zu den Ikonen des Expressionismus zählen, die gegenständliche Malerei niemals komplett hinter sich lassen. Allein Kandinsky wagt von den progressiven Künstlern des „Blauen Reiter“ diesen radikalen, einem kunsthistorischen Paukenschlag gleichenden Schritt, der von dem 1911 in Anschluss an das Schönberg-Konzert entstandenen Gemälde „Impression III (Konzert)“ (1911, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München) seinen Ausgang nimmt. Ebenfalls 1911 gipfelt dieses Bestreben in der fast drei Meter breiten „Komposition V“ (1911), welche aufgrund dieser radikal abstrakten Malerei von der Jury der Neuen Künstlervereinigung abgelehnt wird schließlich die Abspaltung der Künstler des „Blauen Reiter“ zur Folge hat. Damit kommt Kandinsky in seinem Schaffen erstmals dem nahe, was er direkt nach dem Konzert in einem Brief an Schönberg als das Ziel seines künstlerischen Strebens definiert, wenn er schreibt: „ Das selbständige Leben der einzelnen Stimmen in Ihren Compositionen ist genau das, was ich in malerischer Form zu finden suche.“ (W. Kandinsky an A. Schönberg, in: Briefe, Bilder und Dokumente einer außergewöhnlichen Begegnung, Salzburg/Wien 1980, S. 19). Während Kandinskys frühe abstrakte Kompositionen dieser Jahre - wenn auch maximal zu Bildkürzeln abstrahiert - noch gegenständliche Elemente wie Berge, Kirchtürme, Boote, Figuren und Reiter in sich tragen, beginnt sich Kandinskys Bildsprache um 1920 beeinflusst durch den russischen Konstruktivismus, langsam in Richtung einer streng geometrischen Abstraktion zu klären, ein Prozess, der schließlich während seiner Jahre am Bauhaus seinen absoluten Höhepunkt erreicht. 1921 beginnt Kandinsky in Weimar als Bauhauslehrer für analytisches Zeichnen, bevor er 1925 mit dem Wechsel des Bauhauses nach Dessau zum Leiter der Form- und Farbenlehre berufen wird. In Dessau, wo der Künstler gemeinsam mit Paul Klee eines der Meisterhäuser bewohnt, entsteht im März 1929 auch die vorliegende, souverän ausbalancierte Komposition „Sachte“. Auf herausragende Weise ist Kandinsky hier mit dem sanften Farbverlauf der beiden Bildhälften sowie dem feinen, geradezu lyrischen Spiel aus Linien und geometrischen Grundformen, die auf der Bildfläche gleich musikalischer Akzente und Stimmen agieren, seinem zentralen künstlerischen Streben nach einem der Musik vergleichbaren Ausdruck der Malerei nahe gekommen. Hätte Kandinsky das Blatt nicht selbst mit dem Titel „Sachte“ bezeichnet und unter diesem in seine Handliste aufgenommen, so wäre eben "Sachte" dennoch genau die Tonalität, welche der Betrachter dieser äußert lyrisch und sanft angelegten Komposition empfindet. [JS]





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